Und dann kam Forster!
Die außergewöhnliche Geschichte von Forster und Tobias Nabben. Wer hat Forster entdeckt? Was macht die Geschichte der Beiden so außergewöhnlich? Und was bedeutet: “… den Brenner machen”?
Tobias Nabben – Teil 2 bei dressursport.kim

Forster und Tobias – gesucht, gefunden!
© www.sportfotos-lafrentz.de
dressursport.kim: Forster, Deine absolute Nummer 1, wie ist er zu Dir gekommen?
Tobias: „Wir haben ihn fünfjährig ausprobiert.“
dressursport.kim: Wer ist wir?
Tobias: “Grundsätzlich trifft meine Mutter die Vorauswahl trifft. Sie guckt sich die Pferde im Internet an, fährt im besten Fall auch schon mal mit einem Lehrling hin und wenn das Pferd interessant ist, fahre ich mit. Das ist ein Zeitaspekt. So kann man relativ früh sehen, wenn das Pferd nichts für uns ist. Dann kann ich lieber zu Hause Unterricht geben und mich um die Kundschaft kümmern.“
dressursport.kim: Und Ihr kauft die Pferde, um sie wieder zu verkaufen? Als Handelspferde?
Tobias: „Nein, überhaupt nicht. Wir sind kein Handelsstall. Das sind in der Regel Pferde, die wir für mich suchen. Ganz selten mal, dass wir einen ausbilden und weiterverkaufen.“
dressursport.kim: Und Forster hat Deine Mutter im Internet entdeckt?
Tobias: „Genau, da stand er als Korrekturpferd drin. Er war wirklich schwierig zu reiten, sehr klemmig am Schenkel. Wenn man aufgestiegen ist, wollte er erst nicht nach vorne gehen oder er konnte auch schon mal den Brenner machen.“
dressursport.kim: Den Brenner machen?
Tobias: „Abhauen. (lacht) Aber wenn er in Gang war, hatte er diese Leichtigkeit. Und wir haben gedacht, vielleicht kriegen wir das hin. Dadurch, dass er so schwierig war, war er auch in einer Preiskategorie, in der man es riskieren konnte, es auszuprobieren.“
dressursport.kim: Wie hast Du ihn so auf Deine Seite bekommen?
Tobias: „Ich habe ihn eineinhalb Jahre nur zu Hause geritten. Ich wusste lange nicht, ob das nun einer für mich wird oder ob das ‚Projekt Forster‘ scheitern wird. Wir haben häufiger Pferde, die Probleme haben, und die brauchen alle erst mal Zeit. Das fängt schon damit an, dass sie einen entspannt aufsteigen lassen. Und dann habe ich den fünfjährigen Forster lange wie einen Dreijährigen geritten.“
dressursport.kim: Das bedeutet: Du hast sehr gute Nerven und viel Geduld…
Tobias: „Ja, ich denke schon. Am allerliebsten ist es mir, wenn keiner da ist, wenn ich allein mit den Pferden bin und absolut meine Ruhe habe.“
So konnte sich Forster langsam entwickeln. Sehr lange durfte er mit auf die Turniere fahren, ohne selbst zu starten, nur um Reisen zu lernen, das Reiten auf fremden Plätzen und unter Turnierbedingungen. Ende sechsjährig ging Tobias das erste Mal mit ihm an den Start, eine M-Dressur, siebenjährig war er S-reif und hat sich für das Bundeschampionat qualifiziert. „Je schwieriger die Lektionen wurden, umso leichter fiel es ihm. Das waren die Sachen, die ihm Spaß machten.“ Immer sei das Thema gewesen, dass Forster ruhig und entspannt auf dem Turnier bleibe. „Es hat lange gedauert, bis er sich mit Turnierkulissen zurechtfand. Über die Piaff-Passage-Tour ist er dann noch mal viel besser im Viereck geworden.“ Auch bei der Deutschen Meisterschaft habe er Forster um das Viereck außenherum passagieren lassen. „Da konnte er erstmal ein bisschen durchatmen.“

Piaffe – Passage – was für anderen große Herausforderung, ist für Forster fast ein ‘Kinderspiel’
© www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz
Tobias: „Ich darf es auch im Viereck mit ihm nicht zu doll angehen, dann kommen Spannungstritte. Deswegen warte ich immer darauf, dass er mir das Gefühl gibt, dass ich etwas mehr fordern kann.“
dressursport.kim: Entgegen dem, was man erwarten würde, gehst Du morgens nicht mit ihm ins Viereck, um es ihm zu zeigen?
Tobias: „Stimmt, das war auch so eine Entwicklung. Irgendwann habe ich gemerkt, wenn ich ihm morgens das Viereck zeige, war er nervöser, wenn ich zur Prüfung das zweite Mal mit ihm zum Viereck ging. Ich weiß nicht genau, warum, vielleicht, weil er denkt, dass es beim zweiten Mal zur Platzierung geht. Platzierungen fallen ihm immer noch schwer. Deswegen führe ich ihn morgens nur, aber irgendwo, nicht auf dem Viereck.“
Bei den Derby Stars von Morgen qualifizierte sich das Paar fürs Finale und nahm danach den Louisdor-Preis in Angriff. In Wiesbaden sicherten sie sich ein Finalticket für Frankfurt im Dezember 2025. Über die Louisdor-Auftritte der Beiden wurde auch Bundestrainerin Monica Theodorescu auf das Paar aufmerksam. „Sie kam schon in Wiesbaden zu mir und sagte: ‚Tolle Runde!‘ Und ich dachte nur: ‚Cool!‘. (lacht)“ Nach dem Finale bekam er die Zusage für einen Lehrgang bei der Bundestrainerin in Warendorf, seither trainiert er regelmäßig mit ihr. Vorher ist Tobias häufig zu Klaus Balkenhol zum Training gefahren. „Er hat mich super unterstützt, ich habe ganz viel gelernt und er hat mich auch bestärkt, das Training bei Monica in Anspruch zu nehmen. Wirklich super.“

Eileen und Tobias Nabben – und Forster, in dem Moment gerade eher gelangweilt 🙂
Forster – das verschmusteste Pferd
Mit Forster (11j.) v. Finest-Boston (Z.: Ulla Katzorke, Bes.: Eva-Maria Kruse) erfüllen sich für Tobias Nabben ungeahnte Träume. „Ich war im westfälischen Juniorenkader, ich war ganz oft Vize-Champion bei den Berufsreitern, ich war auch mal Dritter, aber ich habe das nie gewonnen. Heiner (Schiergen) war immer vor mir – frustrierend (schmunzelt). Aber jetzt kamen mit Forster, die größeren Turniere. Allein schon vor dem Schloss in Wiesbaden zu reiten – das war schon cool.“ Dann Frankfurt, das Louisdor-Finale, und im Mai der Nationenpreis in Lier. „Da bin ich zum ersten Mal mit dem Adler auf der Brust für die Mannschaft geritten – wow, das war noch mal etwas ganz Besonderes.“ Das letzte halbe Jahr sei es wirklich steil bergauf gegangen – bin hin zur Berufung in den deutschen Bundeskader.
Das alles dank viel Geduld, Ruhe und dank Forster. „Forster ist das verschmusteste Pferd, das ich kenne. Er liebt es, auf Turniere zu fahren, weil er dann den ganzen Tag betüddelt wird. Im Umgang, beim Verladen, das ist alles gar kein Problem, da ist er voller Vertrauen. Das Vertrauen wird langsam so groß, dass er langsam auch da hingeht, wo er früher vielleicht hingegangen wäre – auch im Viereck.“
Tobias – “Ich bin nicht scharf auf einen Titel bei den Bundeschampionaten.”
Am 3. November 1988 geboren, auf dem elterlichen Hof Stall zur Linde in Bottrop-Kirchhellen aufgewachsen, mit 16 Bereiterlehre bei Johann Hinnemann begonnen, mit 23 Prüfung zum Pferdewirtschaftsmeister abgelegt. Führt seit 2007 zusammen mit seiner Mutter Barbara den familieneigenen Pensions- und Ausbildungsstall. Tobias hat zwei Brüder, die aber nicht reiten oder in den Betrieb involviert sind, und hat im Sommer 2024 seine Frau Eileen geheiratet. Seine Grand Prix-Pferde hat Tobias selbst ausgebildet, inklusive Forster. 2026: Erster Start im Nationenpreis, erster Start bei der Deutschen Meisterschaft, Aufnahme in den Bundeskader.

Auf dem Weg zu seinem ersten S-Sieg: Tobias Nabben, 16-jährig
Seine Stärke bei der Ausbildung von Pferden? „Ich denke, das ist nicht zuletzt das Ruhigbleiben. Ich hatte einfach schon viele Pferde, die das gebraucht haben – das Runterfahren und dann langsam wieder aufgebaut werden. Diese Ruhe mit dem Pferd und dass ich wirklich immer versuche, das Optimum aus dem Pferd zu holen. Ich habe gar nicht die Ambition, diese Jungpferdetouren zu reiten. Ich bin nicht scharf auf einen Titel bei den Bundeschampionaten. Ich fange mit sechs oder sieben im Sport an. Das heißt nicht, dass alle Pferde mal Grand Prix gehen müssen, das ist das High End. Die Pferde geben vor, wohin und wie schnell es geht.“
Die Zeit um die Pferde herum ist knapp – wie bei nahezu allen Berufsreitern – aber wenn, dann genießt Tobias am liebsten die Zweisamkeit mit seiner Frau, geht mit seinen Kindergarten- und Schul-Kumpels Paddle-Tennis spielen oder… „wir treffen uns im Internet und spielen zusammen ein Computerspiel. Das geht schnell und man muss nirgendwohin fahren. Das ist ein bisschen aus meiner Jugend hängengeblieben. Es geht dabei aber weniger um das Spielen, als um das Kommunizieren und gemeinsam Spaß haben.“ Das mache seinen Kopf frei.
Und was sind seine größten Ziele? „Weiter lernen, besser werden und möglichst viele Prüfungen reiten, mit denen ich selbst zufrieden bin.“


