Bodenständig bis zum Bundeskader – Tobias Nabben
„Was die Pferde, die bei der Deutschen Meisterschaft am Start waren, zum Teil schon jung gekostet haben – darüber brauchen wir gar nicht sprechen. Aber ich wollte das immer bodenständig betreiben.“ Tobias Nabben
Tobias Nabben (38), Forster (11), ein Paar, dass in den vergangenen sechs Monaten raketenartig auf sich aufmerksam gemacht:
Louisdor-Finale, Nationenpreis-Premiere, Achter im Special bei ihrer Deutschen Meisterschafts-Premiere (73,686 %), Fünfter in ihrer Kür-Premiere bei der DM (77,350 %), Aufnahme in den Bundeskader.
Eine wunderbare Geschichte von früher Entschlossenheit und der Ruhe zum Erfolg – Teil 1.

Ein Paar, das für Aufsehen sorgt: Tobias Nabben und Forster.
© www.sportfotos-lafrentz.de
Auf dem elterlichen Reitbetrieb aufgewachsen fing Tobias‘ reiterliche Laufbahn klassisch an: mit Shetty-Ponys und so früh, dass er sich gar nicht richtig erinnern kann. Tobias: „Ich habe dann aber auch mal eine Zeit lang aufgehört und bin gar nicht mehr geritten.“
dressursport.kim: Warum?
Tobias: „Ich hatte andere Interessen: Schule, Freunde…“
dressursport.kim: Andere Interessen und ‘Schule’ kommt als erstes Stichwort…?
Tobias: (lacht) „Naja, vielleicht war auch die ein oder andere Computeraktivität dabei.“
Mit 13 habe er sich wieder mehr der Reiterei gewidmet und direkt der Dressur verschrieben. „Das war mir irgendwie mehr in die Wiege gelegt worden, ich hatte Spaß daran und es gut geklappt: mit 13 A-Dressur, mit 14 L-, 15 M- und mit 16 habe ich meine erste S-Dressur gewonnen.“ Direkt mit 16 hat Tobias auch der Schule den Rücken gekehrt und bei Johann Hinnemann seine Bereiterlehre absolviert, zusammen mit Springreiter Hendrik Sosath. „Meine Eltern hatten schon Bedenken, dass das vielleicht ein bisschen zu früh ist, aber mir war klar, dass ich das auf jeden Fall durchziehen möchte – auch schon mit dem Gedanken den elterlichen Betrieb später mal zu übernehmen.“ Warum solle er dann noch drei Jahre weiter in die Schule gehen und Abitur machen? „Das wären aus meiner Sicht drei verschwendete Jahre gewesen.“
Kurz vor der Bereiter-Prüfung hat Tobias bei Hendrik Sosath dann einen Crashkurs Springen eingelegt. „Da bin ich wirklich zwei, drei Wochen nur gesprungen. Das hat dann auch gut geklappt, ich habe meine Prüfung mit Stensbeck Auszeichnung bestanden.“ Da ihm damals schon klar war, dass er auch die Meisterprüfung machen möchte, hat er das Springen beibehalten. „Ich wusste, den Stress vor der nächsten Prüfung will ich mir nicht noch mal antun und in der Meisterprüfung ist das ja kein L-Springen mehr, sondern ein M-Springen. Also bin ich auch M-Springen auf Turnieren geritten, habe M gewonnen und bin bis M** platziert.“ Die Meisterprüfung hat Tobias mit 23 Jahren ganz ohne Springstress problemlos abgelegt.
Inzwischen war er bereits in den elterlichen Betrieb eingestiegen. „Unterm Strich bin ich vielleicht etwas zu früh nach Hause gegangen“, erzählt er, „aber mein Vater, der Pferdewirtschaftsmeister war, ist damals krank geworden. Deswegen bin ich nach Hause gegangen, um meine Mutter zu unterstützen.“

Vater George, der Sohnemann Tobias frühzeitig an die Pferde herangeführt hat.
dressursport.kim: Du warst sehr jung sehr zielstrebig mit Deiner beruflichen Laufbahn als Profireiter. Wo kam diese Entschlossenheit her?
Tobias: „Weil mir die Arbeit mit den Pferden einfach so viel Spaß gemacht hat. Es mussten für mich auch nicht immer die ‚Überflieger‘ sein. Auch wenn es ‚normalere Pferde‘ sind, begeistert es mich, ihre Entwicklung zu sehen und einfach das Beste aus jedem Pferd rauszuholen. Das hat mir schon immer am meisten Spaß gemacht.“
dressursport.kim: Ihr kauft auch immer mal wieder junge Pferde, die Du dann ausbildest. Wie geht Ihr bei der Auswahl vor?
Tobias: „Die Überlegung, wenn man junge Pferde sieht, ist immer: Wofür möchte ich den haben? Nicht alle Pferde, die riesig groß traben, werden am Ende auch ‚kurz‘ und gehen so eine Piaff-Passage-Tour wie Forster, was er einfach unheimlich gut kann. Außerdem spielen sich die Pferde dann auch in Preiskategorien ab, die wir nicht finanzieren möchten. Was die Pferde, die bei der Deutschen Meisterschaft am Start waren, zum Teil schon jung gekostet haben – darüber brauchen wir gar nicht sprechen. Aber ich wollte das immer bodenständig betreiben. Ich bin Berufsreiter, ich muss den Sport auch wirtschaftlich betreiben.“

Mutter Barbara Nabben – sie ist nicht zuletzt diejenige, die die neuen Pferde zuerst auswählt – auch Erfolgspferd Forster.
Seitdem Tobias 19 war, führt er den Reitbetrieb Stall Zur Linde in Bottrop-Kirchhellen zusammen mit seiner Mutter, die selbst Dressur bis zur Klasse S geritten ist. Barbara Nabben kümmert sich um die komplette Organisation des Betriebes, Tobias ist der Mann für die Ausbildung von Pferden und Reitern, den Beritt der Pferde, die Turniervorstellung und die Betreuung der Schüler auf Turnieren. 55 Pferde stehen in im Stall, vormittags reitet Tobias, der Nachmittag steht meist im Zeichen des Unterrichts. „Ich habe zwei super Lehrlinge, die mich unterstützen, das geht alles Hand in Hand.“ Reiten – Unterrichten – beides mache ihm gleichermaßen Freude. „Die Deutsche Meisterschaft war für mich schon etwas ganz Besonderes, aber wenn ich dann Nachrichten von meinen Schülern bekomme, dass sie ein Pferd fürs Bundeschampionat qualifiziert oder eine M-Dressur gewonnen haben – dann freut mich das genauso.“

Eileen und Tobias Nabben – Teamwork total auf den Turnieren
Im Sommer 2024 hat Tobias Eileen geheiratet. Wo? Natürlich auf der Wiese neben dem Dressurplatz am Stall Zur Linde. Eileen ist Hobbyreiterin und hauptberuflich im Krankenhaus tätig, unterstützt Tobias aber mit voller Kraft. „Eileen ist immer mit mir unterwegs, flechtet ein und hilft, wo sie kann. Das macht unheimlich Spaß, dass wir das so gemeinsam erleben.“ Während Eileen meist mit auf die Turniere fährt, kümmert sich Mutter Barbara derweil zu Hause um Betrieb und Kunden und zu Großereignissen wie der Deutschen Meisterschaft wird im Stall Zur Linde auch schon Public Viewing aufgebaut. „Dann guckt meine Mutter mit ein paar Einstallern die Prüfung, schön mit Kaffee und Kuchen und wenn ich vom Pferd runter bin, rufe ich zu Hause an. Das ist wirklich toll, das ganze Team zu Hause fiebert mit und freut sich mit mir.“
Die außergewöhnliche Geschichte von Forster und Tobias Nabben erfahrt Ihr morgen in Teil 2 bei dressursport.kim. Wer hat Forster entdeckt? Was macht die Geschichte der Beiden so außergewöhnlich?


