Brauchen wir eine Global Champions Tour in der Dressur?
Ein Gedankenaustausch mit Isabell Werth: “Uns fehlt auch ein Jan Tops …”
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Im Interview: Isabell Werth mit dressursport.kim
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Für Isabell Werth steht fest: die größte Konkurrenz mit Blick auf die WM in Aachen kommt aus Großbritannien. Nicht zu vergessen seien sicher auch die Belgier und Dänen. Und Werth hofft natürlich, dass Katharinna Hemmer und Denoix rechtzeitig für die WM wieder fit sind.
Die Weltmeisterschaften in Aachen sind das Riesen-Highlight in dieser Saison, aber dressursport.kim wollte mit Isabell Werth auch einen Blick auf die Dressurszene darüber hinauswerfen, nicht zuletzt aus der Betrachtung heraus, dass Werth Vorsitzende des International Dressage Riders Club (IDRC) ist.
dressursport.kim: Bei den Springreitern kündigt sich neben der Global Champions Tour mit der Premier Jumping League die nächste Megaserie an. Der Dressursport in Deutschland ist serienmäßig top aufgestellt – mit dem Piaff-Förderpreis, dem Nürnberger Burg-Pokal, dem Louisdor-Preis und den Stars von Morgen, um nur die größten zu nennen. Aber: Fehlt dem Dressursport auch so eine ‚Megaserie‘? Mit der World Dressage Masters wurde es vor einigen Jahren ja schon mal probiert…
Isabell Werth: Das war immer eher halbherzig in der Vergangenheit. Und ja, natürlich fehlt uns eine solche Serie. Das zeigt uns beispielsweise das Top 12 Dressage Final als Fortführung des erfolgreichen Top Ten-Finales – das war ein super Erfolg. Wir können sicherlich nicht zusätzlich Turniere kreieren, weil wir nicht über ein so breites Feld wie im Springsport verfügen und alle Top-Reiter in der Regel ein Spitzenpferd haben. Vielleicht haben ein, zwei Reiter, maximal drei noch ein zweites oder vielleicht sogar ein drittes Pferd, das international gut ist. Deshalb müssen wir uns den etablierten guten Turnieren widmen und daraus etwas kreieren. Da gibt es schon ein paar Ideen, aber wir sind von der Umsetzung noch weit entfernt. Aber das ist etwas, was fehlt und was wir unbedingt machen sollten, um eine weitere Attraktivität in unserem Sport zu gewährleisten.
dressursport.kim: Du redest davon, bestehende Turniere zu einer Serie zusammenzufassen?
Isabell Werth: Ja genau. Im Grunde hat es die Global Champions Tour genauso gemacht, sie haben dann noch ein paar neue Turniere dazu genommen und sind beispielsweise nach Mexiko und Shanghai expandiert oder zu speziellen Strand-Locations. In St Tropez bin ich vor einigen Jahren auch schon mit Hannes am Strand geritten. Das ist ja alles nicht neu, aber uns fehlt eine Struktur, und natürlich fehlt uns auch ein Jan Tops für die Dressur. Ein kreativer Kopf, der daraus ein Geschäft macht. Wir haben nicht nur interessante Menschen im Springsport, sondern auch im Dressursport. Vielleicht nicht in der Vielzahl, weil es nicht so schnelllebig ist und sich noch mal anders entwickelt als der Springsport, aber trotzdem gibt es Potenzial. Die Tatsache, dass es bei uns nicht um Fehler und Zeit geht, macht den Dressursport natürlich nicht so einfach nachvollziehbar wie den Springsport. Das zu verbessern, ist eine Aufgabe für die Zukunft.
dressursport.kim: Die Serie müsste international gedacht werden? Ohne Konkurrenz zum Weltcup sein zu wollen?
Isabell Werth: Ja, das muss international sein. Wenn wir Spitzensport machen wollen, müssen wir es international machen. So wie es die Springsportserien auch machen. Der Weltcup hat seinen festen Stellenwert in der Halle und das andere wäre in erster Linie eine mögliche Serie, um sich auf einige Highligts in der Grünen Saison zu konzentrieren. Da gibt es Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind. Wir sehen die Notwendigkeit und es gibt einige der Veranstalter, mit denen wir im Gespräch sind. Aber es fehlt immer noch, dass einer wirklich vorangeht und das Zepter in die Hand nimmt. Wir sprechen immer mal wieder und haben Ideen, aber wir müssen es jetzt wirklich mal umsetzen.
dressursport.kim: Warum brauchen wir so eine Serie? Wir könnten ja auch sagen: Es ist alles gut so wie es ist?
Isabell Werth: Wir müssen uns einfach weiterentwickeln. Es muss etwas passieren. Es muss Bewegung sein. Stillstand ist Rückschritt! Bei den Springreitern geht es immer weiter. Sie denken sich immer etwas Neues aus, sie netzwerken, sie halten nicht an. Es sind nicht alle begeistert von der Global Champions Tour oder der Premier Jumping League, aber Konkurrenz belebt das Geschäft und die Springreiter sind trotzdem glücklich, dass sie sie haben, weil sie einen Teil ihrer Existenz sichern. Das sind ja alles Profis, die damit ihr Geld verdienen und mit diesen Serien bleiben viele Besitzer im Sport, weil lukrative Preisgelder den Verkauf für sie weniger interessant macht.
dressursport.kim: Du hast schon das Top 12 Dressage Final erwähnt. Würdest Du das als ersten Schritt in die richtige Richtung bezeichnen?
Isabell Werth: 100-prozentig! Das Top 12 Dressage Final ist eindeutig ein ganz wichtiges Tool in dem Gesamtkonzept. Die Zuschauer waren da, wir haben tollen Sport gesehen und es wurde von den Reitern akzeptiert. Es geht nichts ohne die Akzeptanz der Reiter.


