„Ich habe mich dabei verloren.“
Gut Ising: Jessica von Bredow-Werndl feiert Siege mit Dancier Gold FRH und Happy Days di Fonteabeti, Jana Lang und Baron trumpfen auf und Carina Harnisch stellt einen neuen persönlichen Grand Prix-Rekord auf.
Nach einem megaspannenden August hat sich dressursport.kim eine kurze Verschnaufpause gegönnt, jetzt steigen wir wieder voll ein – zunächst mit einem außergewöhnlichen Gespräch, sehr offen und ehrlich, mit Isings Grand Prix-Siegerin Carina Harnisch…

Eine außergewöhnlich emotionale Reise hin zu 75-Grand Prix-Prozent: Carina und ihr Shelly
Foto: ©privat
dressursport.kim: 2024 haben Dein selbst ausgebildeter DSP Sheldon Cooper, Shelly (Z.: Enrico Schöbel), und Du das Finale des Louisdor-Preises in Frankfurt gewonnen, auf Gut Ising habt Ihr vor zwei Tagen den Grand Prix mit einem persönlichen Rekord 75,033 Prozent dominiert. Wie würdest Du Eure Reise der vergangenen knapp zwei Jahre beschreiben?
Carina Harnisch: Emotional. Sehr emotional! Man lernt immer sehr, sehr viel, aber was ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe, das war schon krass. Ich bin beim Louisdor-Finale das erste Mal überhaupt in meinem Leben einen langen Grand Prix geritten. Dann reitet man weiter, auch internationale Grand Prix, und man denkt: Wenn man das 10 oder 20 Mal gemacht hat, dann weiß man, wie das geht. Aber das stimmt gar nicht. Jedes Mal kommt etwas Neues dazu und jedes Mal lernt man irgendetwas dazu. In dem einen Moment gibt dir dein Pferd ein bestimmtes Feedback und du denkst: ‚Wow, jetzt weiß ich, was ich machen muss.‘ Und beim nächsten Mal ist es wieder ganz anders.
dressursport.kim: Wie genau war das bei Shelly, gib uns ein Beispiel.
Carina Harnisch: Ich war dieses Jahr mit Shelly ja nicht unerfolgreich. Wir durften Hagen und Balve reiten und waren auch immer platziert, aber ich hatte auch immer sehr viele Fehler. Und die Fehler haben sich potenziert. Das hört sich komisch an, aber es ist immer schwieriger für mich geworden zu verstehen, warum das passiert. Es war auch nicht immer derselbe Fehler. Okay, am Ende hatte ich viele Wechselfehler, die ich davor nicht hatte. Vor allem auch in den Zweierwechseln, die waren immer ganz sicher. Da sind einfach so viele Dinge gewesen, dass ich mir irgendwann überlegt habe, hier läuft irgendwas falsch. Ich war Neuling und es ist wichtig, dass du viel Input annimmst, dass du viel mit Leuten redest, die sich auskennen.
Aber weißt du, was mir passiert ist? Ich habe mich dabei verloren.
Ich habe alles angenommen, was von außen gekommen ist, und habe versucht, das so gut es geht umzusetzen. Mal besser, mal weniger gut. Aber ich habe mich und mein Bauchgefühl vernachlässigt.

Eine sehr intensive Partnerschaft: Vom Reiten bis zum ‘Hintern-Kraulen’ 🙂
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dressursport.kim: Du hast nicht mehr auf Dein eigenes Gefühl gehört…
Carina Harnisch: Ja genau. Das war für mich das allergrößte Learning in der letzten Zeit, dass es wichtig ist, dass man die richtigen Leute um sich hat. Aber dass ich mir trotzdem bewusst bin. Dass ich das bisher geschafft habe, weil ich ich bin. Das wusste ich eine ganze Zeit lang nicht mehr. Es war hart für mich, das zu lernen. Es war sehr emotional und ich habe mir immer gedacht: Ich habe so ein tolles Pferd, warum kriege ich es nicht hin, ihn auch noch so toll vorzustellen, wie er eigentlich ist? Er hat doch viel Besseres verdient
dressursport.kim: Und in Isings Grand Prix konntest Du das Gelernte und Dein Gefühl wieder kombinieren? Deshalb hat es so gut geklappt?
Carina Harnisch: Ja, genau. Dazu kommt, dass ich auf dem Bundeschampionat mit einer Frau gesprochen habe, mit Antonia Wittfoth, die mir einen ganz großen Sprung nach vorne verholfen hat. Dieses Gespräch hat mir die Augen geöffnet und mir geholfen, den Druck rauszunehmen. Ich habe mir selbst so viel Druck die ganze Zeit gemacht, unbewusst. Ich wollte mir den Druck nicht machen, aber ich habe ihn mir gemacht, weil ich gedacht habe: Es kann doch nicht sein, dass ich nicht mehr in der Lage bin, das Pferd so vorzustellen, wie es gut ist. Nach diesem Gespräch hatte ich das Gefühl, mir ist ein Stein von meiner Brust genommen worden.
dressursport.kim: Das bedeutet, Deine Prüfung mit Shelly in Ising konntest Du ohne diesen Druck, diesen Stein genießen und es lief?
Carina Harnisch: Ja, voll! Mir war vorher gar nicht bewusst, dass ich das gar nicht mehr so genossen habe. Aber im Nachhinein ist mir das krass bewusst geworden. Ich habe es gemacht und natürlich hatte ich Spaß, weil es das ist, was ich liebe zu tun. Aber ich konnte es nicht mehr so richtig genießen. Und jetzt freue ich mich riesig auf meine Kür heute Abend.
dressursport.kim: Sehr schön! Zurück nach Ising: Sag uns noch ein paar Sätze zu Deiner Kür.
Carina Harnisch: Ich habe die Kür in Balve das erste Mal geritten, heute in Ising wird es das zweite Mal werden. Ich habe mir eine Musik ausgesucht, die ausdrückt, dass Shelly mir hilft, meine Träume zu erfüllen – Popsongs mit klassischem Einfluss. Ich finde Kürreiten eigentlich cool, aber ich war mir nicht so sicher, ob das was für meinen Shelly ist. Er ist ja schon ein bisschen speziell. Aber er hat die Kür in Balve geliebt, er fand es richtig toll mit der Musik. Ich glaube, er findet die Musik einfach auch cool. Ich liebe diese Musik auch, besonders die Stelle im Schritt, da bekomme ich immer Gänsehaut.
TIPP: Die Kür-Startzeit für Carina und Shelly heute Abend, Samstag, 22.25 Uhr, beim Chiemsee Pferdefestival – ClipMyHorse.TV überträgt live.
HIER geht es zu den genauen Ergebnissen von Ising.


