Frederic Wandres: Vollgas am Jahresende
Motesice mit vier Pferden, aber ohne Lars, der Weltcup-Plan und der Neuanfang – turbulenter könnte die Zeit für Frederic Wandres kaum sein…
Frederic Wandres hat sich für die kommenden Wochen eine Menge vorgenommen! „Ja, das ist jetzt eine stressige Zeit, es ist ziemlich viel unter einen Hut zu bekommen“, gesteht Wandres. „Turnier reiten, PSI-Auktion, Weltcup Planung und den ein oder anderen Gedanken auch schon beim Umzug – das ist ein langer Rattenschwanz, aber Gott sei Dank sind wir zu zweit und haben gute Unterstützung.“
In diesem Jahr hat Frederic Wandres die Weltcup-Saison seit langem wieder auf dem Plan, idealerweise mit dem Ziel Finale in Göteborg Ende März 2027. Er ist Mannschafts-Europameister, -Weltmeister und -Olympiasieger, aber eine Weltcup-Finalteilnahme fehlt dem Vollprofi noch. 2020 hatte er sich zwar für das Finale in Las Vegas qualifiziert, aber kurz vor der Abreise machte Corona einen Strich durch die Rechnung, das Finale wurde abgesagt.

Trio in Olmütz: Freddy und Lars mit Verrenberg.
© EQWO, Petra Kerschbaum
Eingestiegen in die Weltcup-Saison ist Wandres schon, im Mai hat er im tschechischen Olmütz die Weltcup-Etappe der Zentraleuropäischen Liga mit dem zehnjährigen Verrenberg gewonnen. „Verri“ ist ein Sohn des Vilancio, von Nicole Wanning gezogen und im Besitz des Hofes Kasselmann. Seit etwa zwei Jahren sitzt der Mannschafts-Weltmeister in seinem Sattel und hat ihn Anfang des Jahres bereits einige Male siegreich international auf Grand Prix-Niveau in Wellington vorgestellt. Verri wird am kommenden Wochenende auch bei der Weltcup-Etappe in Motesice, Slowakei, an den Start gehen, ebenso wie Stallkollege Fred. Der zwölfjährige Fahrenheit-Sohn ist im Besitz von Carrie und Bernd Schopf, wurde von Raimund Vorwerk gezogen und ist erst seit kurzer Zeit unter Wandres‘ Sattel. Anfang Oktober hat das Paar seinen dritten gemeinsamen Turnierauftritt mit Siegen in Grand Prix und Special in Troisdorf gefeiert. „Fred soll noch mehr Prüfungsroutine sammeln. Er und Verri werden beide den Weltcup-Grand Prix in Motesice gehen und dann kann ich vor Ort entscheiden, wer die Kür übernimmt.“ In der Weltcup-Kür ist nur ein Pferd pro Reiter erlaubt.
Dorfdisco-Feeling vermeiden 🙂
Welche Kür er dann reiten wird, hängt dabei nicht nur davon ab, welches Pferd am Ende die Kür gehen wird. „Das klingt vielleicht lustig, aber ich muss mir auch immer erst die Gegebenheiten vor Ort anschauen. Es gibt schon Turniere, da steht nur ein Lautsprecher. Wenn ich dann die Tuesday-Musik mit viel Bass nehme, fällt gefühlt der Lautsprecher um“, lacht Wandres. „Das war eine meiner ersten Küren mit Duke. Das ist eine gute Musik, die kommt auch überall gut an, aber die braucht den richtigen Lautsprecher und die passende Örtlichkeit. Wenn das überschallt, könnte man denken, man ist in einer Dorfdisco. Das kann man nicht machen, dann muss ich eine andere Kür reiten.“

Auf ihn setzen Freddy und Lars große Hoffnungen: Veuve Clicquot FRH
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Wenn der Lkw schon die weite Strecke nach Motesice fährt, mit Zwischenstopp in Dresden, können auch noch zwei weitere Pferde einsteigen, schmunzelt Wandres. So wird der achtjährige Veuve Clicquot FRH, „Ville“, der zudem für das Louisdor-Finale qualifiziert ist, in Motesice seine erste internationale Drei-Sterne-Prüfung absolvieren. „Nach dem letzten Heimtraining vergangene Woche mit Bundestrainerin Monica Theodorescu waren wir uns einig, dass Ville nun reif genug für seine erste Grand Prix Aufgabe ist. Wir wollen dabei keinen Prozenten hinterherreiten, sondern ihm den Grand Prix im Viereck erklären und schauen, wie weit er es schon verstanden hat.“

Fänomen de Malleret auf dem Weg zur Finalqualifikation zum Nürnberger Burg-Pokal
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Außerdem darf auch der achtjährige Fänomen de Malleret mit nach Motesice und dort Kleine Tour gehen. Den Foundation-Sohn hat Wandres in Hagen für das Nürnberger Burg-Pokal-Finale qualifiziert, Motesice sei eine gute Vorbereitung dafür, betont er.
So reist Frederic Wandres mit vier Pferden nach Motesice, aber ohne Lars Ligus, der ihn sonst auf alle Turniere begleitet. „Ja, das wird für mich ungewohnt, aber da muss ich jetzt durch“, gibt er zu, „Lars bleibt zu Hause und hält Bluetooth in Gang.“ Mit WM-Partner Bluetooth wird Wandres bei der Weltcup-Etappe in Stuttgart antreten, die nur wenige Tage nach Motesice beginnt. Bluetooth ist das einzige Pferd, das Wandres mit nach Stuttgart bringt. „Wenn Bluetooth im Einsatz ist, sind wir wirklich immer all-in fokussiert auf ihn“, erklärt er. „Das bedeutet nicht, dass die anderen Pferde weniger Aufmerksamkeit bekommen. Aber wenn Bluetooth startet, liegt der volle Fokus auf seinem Auftritt.“
So hat er mit Verrenberg, Fred und Bluetooth in dieser Saison drei Eisen im Weltcup-Feuer. Das Ziel: Göteborg – das 40. Weltcup-Finale.

Imo Pectore – finalqualifiziert für den Louisdor-Preis
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Vollgas am Jahresende: Nach Stuttgart folgt direkt die PSI- Auktion und kurz vor Weihnachten Frankfurt. In der Festhalle bringt Frederic Wandres mit Fänomen de Malleret seinen zweiten Burg-Pokal-Finalisten an den Start und mit Imo Pectore und Veuve Clicquot seine Louisdor-Finalisten Nummer fünf und sechs. Zwischen Weihnachten und Silvester hat Wandres eventuell noch einen Start beim Weltcup-Turnier im belgischen Mechelen geplant, bevor pünktlich zum Jahreswechsel der Umzug ansteht.
Wandres Dressage
Nach 17 Jahren in Hagen bei Familie Kasselmann beginnt für Wandres und sein Team auf Gut Einhaus in Herzlake ein neuer Lebensabschnitt. Dort stehen 20 Boxen für „Wandres Dressage“ zur Verfügung, die neue Firma, die Wandres und Ligus zusammen gegründet haben, um in ihre Selbstständigkeit zu starten. Die Vorfreude ist groß. „Wir freuen uns schon sehr, aber es steckt auch wirklich viel Arbeit dahinter“, sagt er. Nach dem Umzug soll zunächst Ruhe einkehren. Der Januar ist turnierfrei eingeplant, damit sich Mensch und Pferd auf der neuen Anlage einleben können.

Gemeinsam in Richtung neue Zukunft: Lars Ligus und Frederic Wandres
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In die Vorfreude auf das Neue mischt sich natürlich auch eine Portion Abschiedsgefühle. „Natürlich ist da auch ein bisschen Wehmut, weil wir in Hagen viele Erinnerungen, Erfolge und Freunde haben. Man lässt ja auch etwas hinter sich. Aber wir sind nicht aus der Welt und das Gute ist, dass wir zu zweit sind. Und Gut Einhaus bietet nicht nur uns, sondern auch unseren Pferden, alles, was das Herz begehrt. Es könnte nicht schöner sein.“
Motesice, Stuttgart, PSI- Auktion, Frankfurt, Mechelen, Weltcup-Punkte und die Vorbereitungen für den Umzug. Frederic Wandres hat einiges vor – im Viereck und darüber hinaus.


