Dressur zwischen Wolkenkratzern

Anna Schölermann in São Paulo – Dressurtraining inmitten einer 13-Millionen-Stadt und mit der Skyline im Blick: U25-Europameisterin Anna Schölermann hat ihr Dressurwissen in Brasilien weitergegeben.

Mit Blick auf die Sao Paulo-Skyline zwischen den Pferdeohren durch…

Durch die Kontakte ihres Chefs Hubertus Schmidt war Anna schon einmal in Brasilien, jetzt war sie zum zweiten Mal in dem größten Land Südamerikas. Sie hat dort Sophia Oliveira und deren Tochter Victoria Unterricht gegeben und die Pferde der beiden geritten. Die Mutter kommt ursprünglich aus der Working Equitation, die Tochter widmet sich ganz der Dressur. Ihre Pferde, eines Grand Prix-fertig, das andere auf Intermediaire-Niveau, haben sie vor etwa zwei Jahren in Deutschland gekauft.

Anna und ihr Trainingsteam in Sao Paulo

Trainiert wurde auf einer Anlage mitten in der Millionenmetropole São Paulo. Anna staunte: „Die Anlage ist so riesig, das kann man sich nicht vorstellen. Und das mitten in der Stadt.“ Etwa 500 Pferde stehen dort, vor allem Springpferde, dazu Western-, Polo- und ein paar Dressurpferde. Es gibt drei Dressurplätze, einen Sandplatz, einen Grasplatz zum Springen und eine Halle, die Anna auf „150 mal 200 Meter“ schätzt. Außerdem: drei Restaurants, eine Pferdeklinik, einen Reitsportladen, eine Ponyschule und ein Schwimmbad für alle, die nach dem Reiten Lust auf eine Abkühlung haben. „Es ist unglaublich!“

Nach dem Reiten kann, wer mag, noch ein paar Bahnen ziehen.

Die gesamte Reitsport-Anlage ist rund 120 Jahre alt, die Stadt hätte das Gelände schon lange gern selbst zur weiteren Bebauung erworben. Aber die Betreiber der Anlage halten durch.

Am meisten geflasht hat Anna der riesige Polo-Platz. „Ich dachte mir nur: Wie viele Einerwechsel passen hier wohl einmal die lange Seite runter?“

Poloreiter auf dem Poloplatz, den Anna in ‘Einerwechsel’ umgerechnet hat 🙂

Das Schwierige an so einem Kurztrip? „Du bist sehr kurze Zeit vor Ort, musst dich superschnell in die Pferde und Reiter hineingucken, hineinfühlen. Du möchtest, dass Pferde und Reiter möglichst viel in den drei, vier Tagen mitnehmen, aber gleichzeitig darf man natürlich auch nicht zu viel fordern. Das ist schon eine Gratwanderung, aber es macht trotzdem unheimlich viel Spaß.“

Glücklicherweise sprechen Sophia und Victoria ebenso gut Englisch wie Patricia. Patricia ist die Tierärztin der Pferde und zugleich diejenige, die das tägliche Training der Oliveiras begleitet. Alle drei Damen haben Annas Wissen und ihre Tipps begierig aufgesogen. „Gott sei Dank können die Drei so gut Englisch und sogar ein bisschen Deutsch. Ansonsten spricht da niemand Englisch, alle nur Portugiesisch.“

Die Mangos sind in Brasilien definitiv größer als bei uns…

Für Anna sind die Ausflüge nach Brasilien nicht nur ungeheuer spannend und bieten einen eindrucksvollen Blick über den deutschen Tellerrand hinaus, sie spiegeln auch einen großen Teil ihres Berufsalltags wider: „Man sieht häufig nur die Turniere mit den Top-Pferden und Top-Reitern, aber das meiste passiert im Amateurbereich“, auch in Ländern, in denen der Dressursport noch am Anfang steht. „Die Arbeit auf Amateur-Grand Prix-Ebene macht einen bedeutenden Teil unseres täglichen Jobs aus.“

So imposant und beeindruckend auch ihr zweiter Ausflug nach Brasilien für Anna war, sie könnte sich nicht vorstellen, dort zu leben. „Man geht dort nicht einfach allein auf die Straße, das ist zu gefährlich.“ Aber der nächste Trainings-Kurztrip ist Anfang nächsten Jahres schon geplant.

Bye bye Brasilien – bis zum nächsten Mal!