„Ari ist da durchgeflogen!“

Juni: Vierte bei der DM in Balve. Juli: Landesmeisterin Baden-Württemberg. Anfang September: Erster Start im Grand Prix Special – Sieg mit fast 72 Prozent. Gestern: Personal Best in Darmstadt-Kranichstein. Es läuft bei Fiona Lukas und Aragorn T. Und wie! Heute, Samstag, um 17.42 Uhr gehen die Beiden in Darmstadts Grand Prix an den Start…

Fiona und Aragorn in Balve www.sportfotos-lafrentz.de

Vor neun Jahren war Fiona Lukas auf der Suche nach einem Nachwuchspferd. Ein Pferd, mit dem sie an ihre Ponyzeit anschließen kann. Im Internet stieß sie auf den vierjährigen Aragorn T, einen Sohn des Antango du Feuillard aus einer Rubin Royal-Mutter von Friedrich Timmermann gezogen. Hingefahren, ausprobiert und Mutter Sandra und Tochter Fiona waren sich einig: Der ist es! Das erste Pferd ihrer Suche wurde ein Volltreffer. Auf dem familieneigenen Hof, „Pferdeparadies Lukashof“ in Großrinderfeld, bildete das Mutter-Tochter-Gespann den Neuzugang aus. Schritt für Schritt, die Mutter mit dem Auge vom Boden, Fiona mit dem Gefühl im Sattel. Inzwischen ist ‚Ari‘ 13, Fiona 23 und sie gehören zur Spitze der deutschen U25-Reiter. Und ‚ganz nebenher‘ studiert Fiona auch noch Kommunikations-Design in Würzburg.

dressursport.kim: Fiona, in dieser Saison setzt Ihr Beiden bei jedem Start noch mal eins drauf. Wie macht Ihr das?

Fiona: Ich habe auch das Gefühl, dass sich das über die Saison immer weiter verbessert, was mich richtig freut. Die Passage ist ausdrucksvoller geworden und die Piaffe noch gesetzter und mehr auf der Stelle. Wir lernen beide immer mehr und stimmen uns besser aufeinander ab. Das braucht einfach alles Zeit. Aber so langsam habe ich das Gefühl, jetzt kommt immer mehr Kraft von hinten bei Ari und dann kann man das für mehr Ausdruck nutzen.

dressursport.kim: Mit 73,991 Prozent habt Ihr gestern die Inter II in Darmstadt gewonnen, ein personal Best für Euch. Wie hat sich das genau angefühlt?

Fiona: Wieder richtig klasse, wie auf dem Fichtenhof Anfang des Monats. Da habe ich auch schon so ein ganz tolles Gefühl gehabt. Er stand gestern auf dem Hänger und hat ganz ungewöhnlich angefangen zu scharren. Ich hatte das Gefühl, er möchte los. Dann kam ich auf den Abreiteplatz und er hatte richtig Power. Da dachte ich schon: ‚Wow, okay‘. Und dann konnten wir die Power mit in die Prüfung nehmen. Ari ist da richtig durchgeflogen. Ich konnte ihn locker behalten und fleißig und er hatte Spaß am Vorwärts. Diese ganze Power konnten wir für den Ausdruck nutzen, ohne dass Fehler passierten oder er überdrehte. Alles war auf den Punkt, einfach toll.

dressursport.kim: Genauso heute noch mal im Grand Prix – das ist das Ziel.

Fiona: Auf jeden Fall. Ich möchte natürlich möglichst fehlerfrei bleiben, diesen Ausdruck in der Passage wieder mitnehmen und die Piaffe schön auf die Stelle setzen können. Dann freue ich mich, wenn ich das Gefühl habe, dass wir da immer weiterkommen. Die Pi-Pa-Tour reiten wir beide einfach unheimlich gerne.

dressursport.kim: Bei all den tollen Erfolgen dieses Jahr – was war der absolut beste Moment?

Fiona: (lacht) Das ist ganz schwierig, weil ich das Gefühl habe, irgendwie toppt sich alles ständig wieder. Für mich war die Nominierung in den Bundeskader ein ganz besonderes Highlight nach Balve. Das hatte ich gar nicht so geplant. Ein Traum, der sich erfüllt hat, den ich mir gar nicht vorgenommen hatte, weil er so weit weg war. Plötzlich werden Sachen möglich, von denen man sich gar nicht traut zu träumen. Dann geht Ari vor zwei Wochen auf dem Fichtenhof seinen ersten Spezial, das war auch so aufregend und besonders. Und er läuft die Prüfung seines Lebens. Es war ein ganz magisches Gefühl beim Reiten auf diesem Platz in der Sonne und Ari gewinnt dann auch noch gegen richtig Konkurrenz. Da war ich schon auch berührt, muss ich sagen. Die Bundeskadernominierung und der Spezialsieg bleiben mir sicher ganz besonders in Erinnerung.

dressursport.kim: Du trainierst jeden Tag mit Deiner Mutter – was macht Euer Training aus? Wie würdest Du das beschreiben?

Fiona: Meine Mutter ist jeden Tag dabei, das ist natürlich toll. Ich habe immer eine Korrektur von außen und jemanden, der drüberschaut. Sie guckt, wie das Ganze von außen aussieht, und ich kann von oben vergleichen, wie es sich anfühlt. Und dann können wir uns genau abpassen. Das ist super, weil ich immer diese zwei Korrekturen gleichzeitig habe.

Gesucht, gefunden, durchgestartet: ‘Ari’ und Fiona ☺️

dressursport.kim: Ein top Mutter-Tochter-Team! Und was macht Dich persönlich im Sattel aus?

Fiona: Ich kann geduldig sein, was die Ausbildung angeht. Ich habe immer das Gefühl, ich möchte eine Lektion lieber ausführlich vorbereiten und die Ansätze trainieren, bevor ich übereilt die ganze Lektion abfrage. Und dann ist auch die Kombination mit meiner Mutter wieder wichtig. Während ich 100-mal den Pirouettenansatz trainiere, sagt sie irgendwann, jetzt solltest Du vielleicht auch mal eine ganze halbe Pirouette reiten (lacht). Aber ich habe das Gefühl, dass diese Geduld sich auszahlt, weil Ari so sehr viel Sicherheit bekommt, wir nichts übereilen und er sich vielleicht etwas Schlechtes oder Falsches angewöhnt. Auch wenn ich ehrgeizig bin und gerne fleißig trainiere, kann ich mich gut mit viel Ruhe an die Lektionen heranarbeiten.

dressursport.kim: Und Ari? Was ist er für ein Typ?

Fiona: Ari ist natürlich etwas ganz Besonderes. Er ist auch unheimlich ehrgeizig. Ich habe das Gefühl, er steht gerne ganz vorne. Wenn er eine gute Prüfung abgeliefert hat, dann weiß er das und ist zufrieden mit sich selbst. Und wenn er in der Siegerehrung vorne steht, ist er völlig entspannt, ruht in sich und weiß, dass er abgeliefert hat. Ich muss ihn nicht pushen, das kommt von ihm selbst. Gerade an schwierigen Lektionen und komplizierte Prüfungen hat er Spaß, wenn er nachdenken und sich konzentrieren muss. Das ist genau sein Ding. Er ist auch kein Pferd, das im Viereck ängstlich wird, das beflügelt ihn eher: die Bühne, die Zuschauer, dann präsentiert er sich gerne. Er weiß auch, dass er ein Superstar ist und dass er von allen ganz arg geliebt wird. Zuhause auf dem Paddock wiehert er mir den ganzen Tag zu, braucht seinen Apfel und muss die ganze Zeit das Gefühl haben, die Nummer 1 zu sein. Das ist er auf jeden Fall auch!

dressursport.kim: Du warst dieses Jahr schon ganz nah dran am EM-Team. Ist das ein Ziel für 2027?

Fiona: Wir werden es auf jeden Fall versuchen, unser Bestes geben und schauen, wohin das führt. Nachdem es dieses Jahr so gut läuft, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert.

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HIER gibt es noch mehr Infos zum Pferdeparadies Lukashof