Der Weg zu Olympia 2040

Unter der Überschrift “Olympia 2040 im eigenen Land” stand dieser Dressurabend, „Partnerschaft macht Weltklasse“ war das große übergreifende Fazit!

Text: Roland Kern

Gestalter und Reiter des großen Dressurabends auf dem Birkhof: v. li. Anna-Lisa Schepper, Katrin Burger, Götz Brinkmann, Katrina Wüst, Franz Trischberger, Kim Kreling, Thomas Casper, Raphael Netz, Riana Frank und Lisa Casper.
Foto: © Doris Matthaes

Klassische Ausbildung, Harmonie, feines Reiten, Losgelassenheit, Reitkunst, Pferdewohl – das waren die zentralen Begriffe bei der Veranstaltung „Rj-Birkhof-Aktuell“ am Montagabend auf dem Gestüt Birkhof der Familie Casper, präsentiert vom Reiterjournal. Eine große Lehrstunde mit echten Experten und wunderbaren Pferden.

Super interessiertes Fachpublikum vor Ort.
Foto: © Doris Matthaes

Rund 250 Dressursportfans in der großen Gestütshalle – echtes Fachpublikum – beschäftigten sich mit den Themen der Ausbildung. Die Podiumsdiskussion nach den Vorführungen lief auf hohem Niveau ab. Die Pferdesportjournalistin Kim Kreling moderierte gewohnt kompetent und unterhaltsam.

Das vielleicht aktuellste Thema: Ein Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen in den schweren Aufgaben bis zum Grand Prix. So wird es ab der Saison 2027 gefragt – und zwar nach dem Galopp und vor dem Starken Trab und der Abschlusspassage. Die internationale Dressurrichterin Katrina Wüst aus Bayern verteidigte diese Innovation, die ein Grundprinzip der Klassischen Ausbildung abfragt. „Wenn etwas auf dem Turnier gefordert wird, dann wird es zuhause auch geübt“, argumentierte sie. “ Die Reiter sind nicht alle begeistert, wie Götz Brinkmann, Trainer von Isabell Werth, durchblicken ließ. Das schnelle Umschalten von Anspannung auf Entspannung könne manches Pferd überfordern. Auch der renommierte internationale Dressurausbilder Ton de Ridder schaltete sich von außen ein, telefonierte und fragte: „Diese Lektion wird in anderen Nationen wenig trainiert, könnte das dann unschöne Bilder geben.“ Man wird sehen.

Demo-Training bei Raphael Netz mit Riana Frank und ihrer Stute Birkhofs Fabulous Fenja
Foto: © Doris Matthaes

Es waren Lehrstunden des Dressursports, die auf dem Birkhof an diesem Abend gezeigt wurden.

Ausbilderin und Richterin Katrin Burger referierte über die Geschichte des Bundeschampionats und den Weg junger Pferde bis hin zum großen internationalen Sport. Katrina Wüst kommentierte die Arbeit des bayerischen Ausbilders Franz Trischberger auf der mächtigen und bewegungsstarken Oldenburger Stute Kinshasa, die für das Finale im Louisdor Preis im Dezember in Frankfurt qualifiziert ist. Sie zeigte zuvor durchaus selbstkritisch auf, wie die Richter-Bewertung von Dressurpferden nach der irregelenkten Zeit eines Wunderhengstes Totilas auf den richtigen Weg eingebogen sei. „Das hat ein Umdenken ausgelöst“, beschrieb sie.

Team-Weltmeister Raphael Netz ließ im Training der eleganten DSP-Championstute FBW Fabulous Fenja unter Riana Frank viele klare Erkenntnisse aus der Skala der Ausbildung einfließen („da hangeln wir uns sehr nah entlang“), Götz Brinkmann feilte mit dem hochtalentierten, aber sensiblen Birkhof-Vererber Esperanto und seiner Reiterin Anna-Lisa Schepper an der Verbesserung der Lektionen in Richtung Drei-Sterne-Niveau, zuvor hatte sich Katrin Burger der feinen Lord Leopold-Tochter La Vie en Rose unter Lisa Casper gewidmet – schon die Pferde des Abends waren den Besuch wert.

„Reiten ist eine Einstellung“

Ein Tenor des Abends, zu dem auch viele Züchter kamen: “Weltklasse-Pferde werden nicht geboren, sie werden Weltklasse durch den richtigen Reiter, das gute Reiten und die richtige Ausbildung.“ Katrina Wüst formulierte diesen Satz.

Wie geht es weiter mit „Rj-Birkhof-Aktuell?“ Wie Hausherr Thomas Casper abschließend betonte, soll die Veranstaltung zur Serie werden, der Birkhof soll als „Denkfabrik“ das Zentrum sein, das Reiterjournal weiter der Medien- und Organisationspartner.  „Warum ist eine Musikschule eine Bildungseinrichtung, und warum eine Reitschule nicht“, beschrieb Casper sein übergeordnetes Ziel. Er  spannte, wie man es von ihm kennt, den Bogen vom Breiten- zum Spitzensport. Die nächste Veranstaltung soll sich baden-württembergischen Reitschulen widmen.

Es war auch ein Abend der markanten Sätze, wie jenem von Raphael Netz, der in Donzdorf einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Er sagte: „Reiten ist nicht nur ein Sport, es ist eine Einstellung. Die Verbundenheit zwischen Reiter und Pferd macht die Situation des Sports aus.“

Oder Katrin Burger: „Unser Sport ist eben nicht digital, sondern echt und lebendig, das sportliche Training mit einem Lebewesen, das kennen viele Kinder heute gar nicht mehr, das müssen wir mehr herausstellen.“

Und Thomas Casper definierte einmal mehr, wie der Pferdesport eine Zukunft hat:  „Jeden Tag mit den Pferden ein Kind glücklich machen.“