Nicole Uphoff und der Burg-Pokal
“Ich denke, die Serie ist heute noch genauso wichtig und attraktiv wie damals.”
Am kommenden Samstag startet der Nürnberger Burg-Pokal in seine 35. Saison, Auftakt ist – wie in jedem Jahr – Horses & Dreams in Hagen. Wir haben mit der Reiterin gesprochen, die das allererste Finale des Burg-Pokals 1992 gewonnen hat: die viermalige Olympiasiegerin Nicole Uphoff.
“Sir Lenox ist damals sehr locker, schwungvoll und mit einem natürlichen Bewegungsablauf durch die Prüfung gegangen. Wie es heute beurteilt würde, kann ich nicht sagen.”

Die Sieger der historischen Premiere des Nürnberger Burg-Pokals: Nicole Uphoff und Sir Lenox 1992
© Nürnberger Versicherung
dressursport.kim: Lass uns 35 zurückblicken, auf Deinen Sieg mit Sir Lenox – was ist das Erste, was Dir einfällt?
Nicole Uphoff: (lacht) Zu Beginn dachte ich, Sir Lenox sei ein relativ einfach zu reitendes Pferd. Ich wurde damals gefragt, ob ich keine Probleme mit ihm hätte, er sei immerhin ein Shogun-Nachkomme. Ich habe völlig entspannt geantwortet: ‚Nö, alles gut.‘ Später habe ich gewusst, was die Frage bedeutete. Je weiter wir in der Ausbildung kamen, umso sensibler wurde er. Wenn er seine verrückten fünf Minuten hatte, musste ich ihn in Ruhe lassen und abwarten, danach war alles gut und ich konnte einfach weiterreiten. Diese Anwandlung zeigte er auch ganz kurz vor der Finalprüfung in Frankfurt, alle um mich herum wurden ziemlich nervös, weil ich noch nicht den Frack anhatte und einreiten musste und ich war auch noch erster Starter. Aber ich habe in Ruhe gewartet und er hat sich entspannt. Alle kamen angerannt… Bandagen ab, Frack und Zylinder an und wir haben gewonnen (lacht). Er war ein tolles, spannendes Pferd.
dressursport.kim: Inzwischen kennt nahezu jeder den Nürnberger Burg-Pokal, damals war er noch ganz neu. Welchen Stellenwert, welche Bedeutung hatte dieses erste Finale damals?
Nicole Uphoff: Der Burg-Pokal war zwar noch nicht so bekannt, aber es war schon damals das Finale der besten Nachwuchspferde Deutschlands, also die Bedeutung war auch 1992 schon sehr groß und man war stolz, dass man es zum Finale geschafft hat.
dressursport.kim: 35 Jahre später – was glaubst Du: Hätte Sir Lenox auch heute noch eine Chance, ganz vorne ‚mitzumischen‘?
Nicole Uphoff: Ich möchte es mal so formulieren: Sir Lenox ist damals sehr locker, schwungvoll und mit einem natürlichen Bewegungsablauf durch die Prüfung gegangen. Wie es heute beurteilt würde, kann ich nicht sagen.

Die Sieger 1998: Relevant und Nicole Uphoff.
© Nürnberger Versicherung
dressursport.kim: Springen wir sechs Jahre weiter. 1998 hast Du das Finale erneut gewonnen, dieses Mal mit Relevant…
Nicole Uphoff: Relevant war ein Sohn von Rubinstein, also praktisch ein Cousin von Rembrandt. Er war unglaublich sensibel. Je weniger man da oben im Sattel getan hat, umso mehr hat er dem Reiter gegeben. Das musste man verstehen. Relevant konnte man über einen ganz lockeren Sitz glänzen lassen. Rembrandt war sehr extrovertiert, Relevant war genau das Gegenteil, sehr introvertiert. Ihm musste man ein gutes Gefühl geben und dann hatte er Spaß. Als ich das alles verstanden hatte, war er ein echtes Traumpferd für mich.
dressursport.kim: Insgesamt hast Du vier Pferde ins Finale des Burg-Pokals geritten, zweimal hast Du gewonnen, mit Friedenfürst warst Du außerdem Zweite. Du kennst die Serie wirklich von Anfang an. Wie hat sich ihre Bedeutung in 35 Jahren verändert?
Nicole Uphoff: Ich denke, die Serie ist heute noch genauso wichtig und attraktiv wie damals. Für die Reiter ist es immer noch ein ganz großes Ziel, einmal ein Pferd ins Finale zu reiten. Ich finde es einfach toll, dass diese Serie diese Regelmäßigkeit über all die Jahre bietet. Für Reiter und Pferde ist es immer wieder ein Ziel, im Dezember dabei zu sein, sich in dem Ambiente der Frankfurter Festhalle präsentieren zu dürfen und auch die entsprechende Aufmerksamkeit zu bekommen.
In drei Tagen geht es los: die 35. Saison des Nürnberger Burg-Pokals in Hagen bei Horses & Dreams.
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