Katharina Hemmer: Aachen-WM per Hobby Horsing
“Katha, wir müssen jetzt beide Gas geben!” – so hat es Hubertus Schmidt im April formuliert. Ein großer Vorsatz mit doppelter Bedeutung. Und sie haben Gas gegeben…
Das dressursport.kim-WM-Gespräch mit Katharina Hemmer…
Foto oben: www.sportfotos-lafrentz.de

Top-Team: Katharina Hemmer und Hubertus Schmidt! (Archiv © www.sportfotos-lafrentz.de)
dressursport.kim: Du hast es geschafft, Du bist im WM-Team. Das hattest Du im April schon mit Hubertus (Schmidt) so ‚abgesprochen‘…
Katharina Hemmer: Abgesprochen sicher nicht, aber wir haben darüber gesprochen (schmunzelt). Nach seinem Unfall Ende März, als man noch nicht so absehen konnte, wie sich alles entwickeln würde, hat er bei einem unserer ersten Telefonate danach zu mir gesagt: ‚Katha, wir müssen jetzt beide Gas geben, damit wir im August nach Aachen können – Du im Team und ich hoffentlich ohne Rollstuhl.‘ Dafür haben wir beide alles gegeben und wir haben es geschafft. Darüber freue ich mich sehr.
dressursport.kim: Wie ist die Lage gut zwei Wochen vor WM-Start, bist Du schon in voller Konzentration Richtung Aachen?
Katharina Hemmer: Ja, so langsam schon. Vorletztes Wochenende war ich noch mal mit sechs Nachwuchspferden ‚vor der Tür‘, jetzt widme ich mich ganz der Vorbereitung auf Aachen. Natürlich reite ich zu Hause ganz normal meine Pferde, aber ich fahre nicht mehr zum Turnier.

EM-Neuling Katharina Hemmer und Denoix haben sich top in Crozet präsentiert.
Foto: eqwo.net
dressursport.kim: Auch wenn Du noch nie eine WM geritten hast, Du warst bei der EM 2025 dabei und hast schon dreimal das Trainingslager vor dem jeweiligen Championat mitgemacht – das beruhigt?
Katharina Hemmer: Das hilft auf jeden Fall. Ich habe das schon erlebt und konnte gucken, wie die anderen sich vorbereiten und was die so einpacken. Man lernt immer wieder dazu und man lernt sich natürlich auch noch mal ganz anders kennen. Das macht alles entspannter. Und bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr konnte ich so tolle Erfahrungen sammeln und das Team war einfach spitze – das hilft und dadurch freue ich mich umso mehr.
dressursport.kim: Ich komme noch mal kurz auf das Einpacken zurück. Was haben die anderen eingepackt, was Dich überrascht hat?
Katharina Hemmer: Vielleicht nicht überrascht, aber Sachen, bei denen ich dachte, dass es verdammt schlau ist, die mitzunehmen. Eine Powerbank zum Beispiel oder einen Generator, an den man sein Handy oder einen Ventilator vor der Box anhängen kann. Dann hat man vor der Box alles parat. In Crozet letztes Jahr standen wir im Stallzelt, da war der Generator megapraktisch. Man kann ja nicht durch das ganze Stallzelt eine Kabeltrommel ziehen.
dressursport.kim: Isabell (Werth) und Frederic (Wandres – HIER geht’s zum WM-Gespräch mit Frederic Wandres) waren Deine Teamkollegen im vergangenen Jahr, Raphael (Netz – HIER geht’s zum WM-Gespräch mit Raphael Netz) ist neu dabei. Inwieweit kennt Ihr beide Euch schon?
Katharina Hemmer: Raphi kenne ich schon seit ganz vielen Jahren sehr gut. Wir sind zusammen früher die U25-Tour, den Piaff-Förderpreis geritten. Wir sind relativ gleichzeitig als Newcomer gestartet. Wir verstehen uns sehr gut und wenn der eine mal einen Tipp braucht, ruft er auch gerne mal den anderen an und man tauscht sich aus. Oder wenn wir auf der Suche nach Pferden für Kunden sind, rufen wir uns an. Ich glaube, wir werden alle vier in Aachen ein richtig cooles Team sein, bei dem sich jeder gut untereinander versteht.

Katharina Hemmer im EM-Team mit Frederic Wandres und Isabell Werth, jetzt im WM-Team mit den beiden.
www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz
dressursport.kim: Meistens ist es ja so, dass jeder eine gewisse ‚Rolle‘ in einem Team übernimmt. Könntest Du Isabell und Freddy aus Deinen Erfahrungen im vergangenen Jahr eine solche ‚Teamrolle‘ zuweisen?
Katharina Hemmer: Isabell hat einfach schon unheimlich viel Erfahrung und die setzt sie nicht nur für sich, sondern für das ganze Team ein. Sie kümmert sich um ganz viele Dinge, damit sie für uns alle möglichst gut ablaufen – ob das etwas mit den Trainingszeiten zu tun hat oder ob es Fragen an Offizielle sind, die sie alle kennt, oder wenn irgendein Problem auftaucht: Isabell weiß immer für alle eine Lösung. Und mit Freddy verstehe ich mich auch super. Er hat mir vor meinem ersten Championatsstart den Tipp gegeben, dass ich mit Klaus (Roeser, Equipechef) einmal abspreche, ob das in Crozet ohne Pfleger geht. Ich konnte das mit den Terminen vor Ort nicht so richtig einschätzen. In Crozet ging das prima allein, da war ich ohne Pfleger. Aber jetzt nach Aachen kommt Pauline als Pflegerin mit, damit ich alle Termine entspannt wahrnehmen kann und weiß, Denoix ist immer top versorgt. Er liebt Pauline und die beiden kommen super klar.
dressursport.kim: Erzähl uns ein bisschen was über Pauline?
Katharina Hemmer: Pauline ist seit gut einem Jahr bei uns im Stall, wir verstehen uns super und ticken, glaube ich, in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich (lacht). Wir sehen die Dinge beide eher entspannt und lassen uns nicht so schnell stressen. Und wir können uns beide absolut aufeinander verlassen.

2023 – das erste Mal Aachen!
© www.sportfotos-lafrentz.de/Dr. Tanja Becker/Equitaris
dressursport.kim: 2023 warst Du das erste Mal in Aachen am Start – was ist Dein erster Gedanke daran?
Katharina Hemmer: Ich weiß noch genau, als wir auf den Hof gefahren sind und ich direkt Ehrfurcht gespürt habe. Sofort ist da diese besondere Atmosphäre, auch beim Einreiten ins Stadion. Das wird dieses Jahr natürlich noch einmal anders, wenn wir im großen Springstadion reiten. Obwohl ich sagen kann, dass ich beim Einreiten in die Prüfung gar nicht so viel von dem Dumherum wahrnehme, weil ich dann so fokussiert bin. Aber als ich fertig war, nach dem Grüßen, hatte ich richtig Gänsehaut. Das war schon beim ersten Mal 2023 so, als ich in der Vier-Sterne-Tour am Start war. Da ging Denoix einen wirklich guten Grand Prix und war im Special Dritter – ein richtiges Highlight. Das war schon wirklich toll, auch weil Nancy (Gooding, Besitzerin Denoix) da war und wir uns alle zusammen gefreut haben. Nancy hatte so viel Freude, wie das mit uns geklappt hat, und ich glaube, danach war für sie klar, dass das Pferd bei mir bleiben soll. Ich hatte Denoix damals gerade erst ein halbes Jahr von Hubertus übernommen und sie hätte auch jede Menge andere Optionen mit dem Pferd gehabt. Jeder hätte ihn gerne genommen.
dressursport.kim: 2024 bist Du schon in der Mannschaft in Aachen geritten…
Katharina Hemmer: Ja genau, aber das war nichts. Im großen Stadion war die Teamehrung und ich wurde mit dem Team als Nationenpreis-Sieger geehrt, obwohl es bei mir gar nicht gut gelaufen ist. Ich hatte einfach das Glück, dass mein Team so gut war. Da konnte ich mich nur bedingt freuen. 2025 war ich wieder im Team und da konnte ich mich richtig mitfreuen. Da haben wir gut abgeliefert und ich konnte alles ganz anders genießen.
dressursport.kim: Zu den Nationenpreis-Ehrungen seid Ihr mit der Kutsche eingefahren, aber einmal bist Du auch schon ins große Stadion eingeritten…
Katharina Hemmer: Das war 2023, da war der Abschied der Nationen das letzte Mal mit Pferd, jetzt ist das zu Fuß. Ich hatte damals ein Leihpferd und das war schon toll. Vor 45.000 Menschen einzureiten und alle winken mit ihren Taschentüchern – das war der Wahnsinn.
dressursport.kim: Dieses Jahr reitest Du nicht mit Leihpferd, sondern mit Denoix dort ein.
Katharina Hemmer: Ja, aber ich mache mich nicht verrückt. Ich freue mich auf das gesamte Event, darauf, in dem großen Stadion zu reiten. Mein Freund hat das sehr schön gesagt: ‚Ein Viereck ohne Zaun auf einer Wiese – das ist ja wie bei uns zu Hause.‘ So kennt Denoix das und so sehe ich das jetzt. (schmunzelt)
dressursport.kim: Vor 20 Jahren, bei der WM in Aachen 2006, warst Du zwölf Jahre jung. Hast Du die WM damals schon verfolgt?
Katharina Hemmer: Ja, ich habe sie im Fernsehen geguckt. Und alles, was ich da gesehen habe, wurde am nächsten Tag beim Pferdchen spielen, heute nennt man das Hobby Horsing, nachgeritten (lacht).

Katharina Hemmer und Denoix
© Archiv: EQWO, Petra Kerschbaum
dressursport.kim: Was passiert jetzt noch bis zum Trainingslager vor der WM? Irgendetwas besonderes?
Katharina Hemmer: Nein, nicht wirklich, ich gucke einfach, dass wir beide top in Schuss sind. Ich gehe weiter einmal pro Woche zur Physiotherapie, da geht Denoix auch noch mal hin. Und ich werde zusätzlich auch noch mal zur Osteopathin gehen. Dann ist natürlich wichtig, dass zeitlich alles genau aufeinander abgestimmt ist, dass der Beschlag nicht ganz neu, aber die Hufe auch noch nicht wieder zu lang sind etc. Und sonst bleiben wir bei unseren Routinen. Nach unserem Start in Hagen hat Denoix schön entspannt und danach haben wir das Training langsam wieder intensiviert.
dressursport.kim: WM im eigenen Land – wie groß wird Dein mitreisender Fanclub?
Katharina Hemmer: Ja, das sind schon ganz schön viele. Natürlich werden Hubertus und Doris (Schmidt) mitkommen, Pauline, meine Pflegerin, mein Freund, meine Schwester, Nancy kommt mit einer Freundin aus den USA angeflogen, meine Eltern haben Karten für jede Prüfung und es reisen viele Freunde und Bekannte aus meinem Heimatort Erwitte an. Das wird ein toller Fanclub und darüber freue ich mich natürlich richtig.
Nächsten Montag: Das dressursport.kim-WM-Gespräch mit Isabell Werth.


