‘Diamantes’ Reise zum Sieg

Eine intensive Analyse…

Neumünster: Es war der vierte Grand Prix für den zehnjährigen DSP Diamante Negro – Sieg mit 73.040 Prozent. Ausbilderin und Reiterin Juliane Brunkhorst nimmt uns mit auf ihre Diamante-Reise der vergangenen Wochen – mit Leichtigkeit, Piaffe- und Balancetraining und kleinste Stellschrauben…

Juliane Brunkhorst und DSP Diamante Negro – super harmonisch zum Sieg in Neumünster.
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dressursport.kim: Eins vorab: Eure Prüfung sah sehr einfach aus – war es so einfach?

Juliane Brunkhorst: (lacht) Es hat sich heute tatsächlich sehr leicht angefühlt. Diese Leichtigkeit ist typisch für Diamante und heute konnten wir sie wirklich gut mit in die Prüfung nehmen.

Diamante Negro – gut gelaunt auch in seiner Holstenhallen-Box.

dressursport.kim: Im Louisdor-Finale im Dezember lief es für Euch beide nicht optimal, im Januar in Elmshorn habt Ihr schon mit 72,170 Prozent überzeugt, heute in Neumünster mit 73 Prozent gewonnen. Nimm uns mit auf Eure ‚Reise‘ der letzten Wochen.

Juliane Brunkhorst: In Frankfurt war er wirklich untypisch, aber ich kann gar nicht genau sagen, woran das gelegen hat. Deswegen wollte ich noch einmal eine Prüfung vor Neumünster fürs Gefühl reiten. Elmshorn ist bei uns um die Ecke und hat eine tolle Halle. Wir haben da eine ganz entspannt Runde geritten, mit der Leichtigkeit, die ich von Diamante kenne. Und ich denke, das ist uns heute hier auch noch mal gelungen.

Kuscheleinheit im Stall der Holstenhallen.

dressursport.kim: Woran habt Ihr in den vergangenen Wochen gezielt gearbeitet?

Juliane Brunkhorst: Wir hatten ein bisschen Balanceproblem in der Piaff-Passage-Tour. Deshalb haben wir uns darauf konzentriert, vermehrt an seinem Gleichgewicht zu arbeiten – viel rein, raus in und aus der Piaffe, ganz spielerisch. Wir haben dann gar nicht lange piaffiert, gar nicht aufwendig, nicht, dass es für ihn irgendwie stressig wurde. Ich habe in den Piaffetritten auch mal gewendet, sie etwas im Schulter-Vor angelegt, etwas nach rechts, etwas nach links gewendet. Ich wollte, dass er sich noch besser ausbalanciert und es für ihn noch selbstverständlicher wird, so wie alle anderen Lektionen auch. Es muss im Training nicht immer die perfekte Piaffe auf der Stelle sein, es können auch nur mal ein paar Tritte ganz locker eingebaut werden. Er war immer sehr ehrgeizig und wollte in der Piaffe eher zu viel als zu wenig. Durch das immer wieder lockere Einbauen ins Training, wurde das Piaffieren immer lässiger.

dressursport.kim: Hast Du auch mit der Höhe der Anlehnung gespielt

Juliane Brunkhorst: Ja, mit der Höhe habe ich auch ein bisschen gespielt. Man muss immer herausfühlen, wie die Pferde sich am besten ausbalancieren können. Das ist bei dem einen so, bei dem anderen so. Ich würde sagen, bei Diamante ist das ‚die mittlere Etage‘ von der Halseinstellung, dann ist er schön über den Rücken. So fühlt er sich wohl und das ist, glaube ich, auch für die Prüfung optimal. Ich habe mich heute wahnsinnig über die Piaffen gefreut. Es war so, als ob er sagte: „Lass mich mal machen.“ Das hat super funktioniert und hat sich leicht und ausbalanciert angefühlt.

Diamante – unerschrocken und konzentriert in Neumünster.
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dressursport.kim: Mit der Holstenhalle an sich hatte er, trotz der Nähe von Zuschauern und Richtern, gar kein Problem?

Juliane Brunkhorst: Nein, er war schon beim Abreiten sehr entspannt. Ich habe alles einmal kurz abgefragt. Er hat nicht geschwitzt und war total konzentriert. Er hat sich benommen, wie ein Profi, finde ich (lacht). Und das, obwohl er erst zehn ist. Ich bin schon megastolz auf ihn. Und in der Halle hat er die Atmosphäre eher genossen, als dass sie ihn abgelenkt oder aufgeregt hätte. Heute war er so, wie ich ihn kenne. Als ob er sagt: „Wir gehen da rein und machen das.“

dressursport.kim: Was ist Dein nächstes Ziel? Woran wirst Du jetzt im Training arbeiten?

Juliane Brunkhorst: Also erst mal bin ich froh über diese unheimliche Leichtigkeit, die er in jeder Lektion mitbringt. Das mit in die Prüfung zu nehmen, war das erste Ziel, und das war vom Gefühl her heute schon sehr gut. Aber bei einem zehnjährigen Pferd kann natürlich noch nicht alles richtig hundertprozentig ausgereift sein. Die Pirouetten können noch gesetzter, noch schöner gestellt und gebogen sein. Im Halten und Rückwärtsrichten darf er vielleicht noch etwas stabiler im Genick oben bleiben oder die Zick-Zack noch etwas mehr auf den Punkt sein. Das sind kleine Stellschrauben, die wir jetzt in Angriff nehmen. Im Grunde darf er noch gefestigter werden, damit man vielleicht in jeder Lektion noch einen Tick mehr Ausdruck reinbringt.

dressursport.kim: Häufig hört man: ‚Der braucht noch mehr Kraft.‘ Machst Du gezieltes Krafttraining mit Deinen Pferden?

Juliane Brunkhorst: Nicht direkt. Ich bin der Meinung, dass die Kraft sich durch das tägliche Training entwickelt und das braucht einfach seine Zeit. Ich gehe mit meinen Pferden viel auf die Rennbahn, aber eher zum Ausgleich als zum Krafttraining.

Mit 70,480 Prozent setzten sich Nicole Wego-Engelmeyer und der zwölfjährige DiCaprio OLD auf Platz zwei im Grand Prix. Besonderes Highlight: die Serienwechsel!

Nicole Wego-Engelmeyer und DiCaprio OLD.
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