“Das Leben ist endlich!”
Semmieke Rothenberger: “Ich durfte glücklicherweise schon einige Europameisterschaften im Jugendbereich und bei den U25-Reitern miterleben, so ähnlich fühlt sich diese Nominierung zum Nationenpreis in Hagen an!”
Der Gedankenaustausch mit Semmieke Rothenberger – drei Tage vor dem Nationenpreis in Hagen…

Semmie und Farri – nicht zuletzt mit ihren Balve-leistungen ins Team von Hagen ‘gesprungen’.
© www.sportfotos-lafrentz.de
dressursport.kim: Semmieke, vor drei Wochen hast Du Kür-Silber bei den Deutschen Meisterschaften in Balve gewonnen – mit Farrington. Wie fühlt sich dieser Super-Erfolg jetzt an?
Semmieke Rothenberger: Richtig gut. Man selbst glaubt natürlich extrem an sein Pferd und weiß, was möglich ist. Aber es ist etwas anderes, bei einer Meisterschaft an jedem Tag sein Personal Best zu reiten. Das war schon sehr besonders. Es steckt ja so viel mehr dahinter als das, was man am Ende im Viereck sieht – die ganzen Emotionen, die harte Arbeit, der Glaube all der Leute, die mitfiebern und die Daumen drücken, und so weiter. Das alles fällt in so einem Moment von einem ab, dann merkt man, wie Farri alles zurückgibt. Das war der Punkt, an dem ich zu Tränen gerührt war.

Silber für Semmieke – Farri macht’s möglich!
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dressursport.kim: Seit gut dreieinhalb Jahren sind ‚Farri‘ und Du jetzt ein Team. Was war, vor allen Dingen in letzter Zeit, die wichtigste Entwicklung, die ihr Beide gemacht habt?
Semmieke Rothenberger: Farri ist ein unglaublich heißes, sensibles Pferd. Er ist immer auf Vollgas unterwegs. Er will es extra gut machen und dann war es manchmal ein bisschen schwierig, ihn in die richtigen Wege zu leiten. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt den Ablauf als Team so gefunden haben, mit dem er sich super wohl fühlt. Ich habe tatsächlich auch das Gefühl, dass er jetzt anfängt, ein paar Star-Allüren zu bekommen. (lacht) Das ist wirklich witzig. Als ich ihn von Nico bekommen habe, stand er beim Füttern ganz still und hat immer gewartet. Jetzt fragt er das schon richtig ab. Und Turnier findet er super, weil er da ganz alleine mit uns allen unterwegs ist. Da muss er seine Pflegerin nicht teilen, die Reiterin nicht teilen, da hat er Papa die ganze Zeit da und Mama ist auch dabei. Alles dreht sich nur um ihn. Das fängt er richtig an zu genießen. Er genießt jetzt auch Momente wie in Balve: Als ich zur Kür einritt, war vom Vorreiter unglaublich viel Applaus. Da hätte er früher die Luft angehalten. Jetzt habe ich eher gespürt: ‚Ah cool, jetzt komme ich!‘ Er ist mental gereift. Außerdem hatten wir ja auch noch Fehler in der Kür und trotzdem ein personal Best. Da denke ich: ‚Wahnsinn! Es macht schon Spaß, mit ihm immer weiter zu tüfteln.‘

Family-Affair 🙂
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dressursport.kim: Dieses Jahr hast Du schon zum Nationenpreis-Team in Lier gehört, jetzt kommt Hagen. Das ist noch mal ein anderer Druck?
Semmieke Rothenberger: Für mich ist es einfach nur super, super schön gerade. Ich genieße es extrem! Ich durfte glücklicherweise schon einige Europameisterschaften im Jugendbereich und bei den U25-Reitern miterleben, so ähnlich fühlt sich diese Nominierung zum Nationenpreis in Hagen an. Und es ist ja bekannt, dass ich Hagen liebe. Es ist mein absolutes Lieblingsturnier. Die Bedingungen sind super und was Familie Kasselmann jedes Mal leistet, ist unglaublich. Es macht richtig Spaß, die Deutschlandsachen einzupacken und Richtung Hagen zu gucken. Wahnsinn, auf welche Reise Farri mich da gerade mitnimmt. Er ist super drauf und ich freue mich sehr.
dressursport.kim: Ist der Gedanke an die WM in Aachen irgendwo in Deinem Hinterkopf und übt Druck aus?
Semmieke Rothenberger: Nee, ehrlich gesagt nicht. Alles, was mit Farri und mir gerade so passiert, ist ein Gänsehautmoment. Ich habe gar nicht so viele Erwartungen. Ich weiß, was das Pferd kann. Ich weiß, mit welcher Konstanz er immer abgeliefert hat. Jetzt genieße ich und gucke, dass er gesund und happy bleibt, damit wir das weiterhin so mit ins Viereck nehmen können. Und letztlich werden die vier besten Paare zur WM fahren.
Für mich ist es gerade wie Weihnachten und Geburtstag zusammen, dass ich in Hagen Nationenpreis reiten darf. Das hatte ich überhaupt nicht erwartet. Es wäre blöd, mir selbst das Gefühl kaputt zu machen, weil ich mir Druck wegen anderen Gedanken mache. Meine Oma sagt immer, von oben wird alles geregelt, alles hat einen Grund. Deswegen habe ich ein Urvertrauen, dass, egal wie es kommt, es so sein soll.

Sie genießen den Moment – Farrington und Semmieke
dressursport.kim: Du hast Deinen Bachelor in Psychologie gemacht. Hilft Dir eventuell auch Dein Wissen aus dem Studium in manchen Momenten Deines Sports?
Semmieke Rothenberger: Auf jeden Fall, aber ich glaube, am meisten hatte ich den Mindswitch 2019. Wenn man so etwas erlebt wie den Brand in unserem Stall damals, das relativiert alles. Ich war neulich beim Fitnesstraining. Da hat meine Sporttrainerin einen sehr coolen Satz zu mir gesagt: ‚So viele Leute gehen mit ihrer Zeit um, als ob sie für immer leben würden. Aber: Das Leben ist endlich.‘ Den Satz finde ich sehr gut. Es stimmt. Wir haben nur eine begrenzte Zeit hier. Wie blöd wäre es, wenn ich mich dann wegen irgendwelcher Dinge verrückt machen würde? Dann geht’s schief und das Leben geht trotzdem weiter. Deswegen mache ich mir keinen Druck und genieße den Moment.
Weitere Infos zum Nationenpreis in Hagen – HIER


