„Das ist es, was den ganz großen Reiz ausmacht!“
Vor einigen Tagen wurde das neue Team im Stall Meggle im bayerischen Wasserburg bekannt. Trainer des Teams wird Oliver Oelrich. Was sind seine Visionen? Was reizt ihn an der neuen Aufgabe? Und wie läuft’s mit den Schweizern?
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Oliver Oelrich – Schweizer Nationalcoach und jetzt auch Trainer im Stall Meggle.
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Das Meggle-Team unter der Leitung von Dodo Eichinger besteht fortan aus Hannah Laser, Ashley Jenkins, Kathrin Sudhölter und Oliver Oelrich. dressursport.kim hat mit dem Toptrainer gesprochen, der von 2010 bis 2020 Disziplintrainer des DOKR war, seit 2021 die Schweizer Dressurreiter als Nationalcoach betreut, zudem Florine Kienbaum und Dries van Dyck in Lengerich und einige weitere Reiter unterstützt.
dressursport.kim: Oliver, man könnte sich vorstellen, Deine Tage waren schon ziemlich gefüllt. Warum noch eine neue Aufgabe? Wirst Du dafür die Schweizer aufgeben?
Oliver Oelrich: Nein, absolut nicht. Die Schweiz ist und bleibt die Nummer 1 für mich. Mein Terminplan orientiert sich an der Schweizer Saisonplanung, wo ich durch Kadertrainings und Betreuung der Reiter an Turnieren ca. 100 Tage im Jahr eingebunden bin. Zudem unterstütze ich zwei- bis dreimal pro Woche die Reiter im Stall Meggle in Wasserburg. Hannah, Kathrin und Ashley, ein junger Engländer, der auch in Wasserburg ist, sind die Reiter, welche mit meiner Hilfe die sehr talentierten Pferde im Stall Meggle ausbilden – mit dem Ziel: Grand Prix-Sport. Natürlich werde ich auch weiter Florine und Dries unterstützen, aber das restliche Training in und um Lengerich habe ich etwas zurückgefahren, damit genug Zeit für das Team Meggle bleibt.
dressursport.kim: Was reizt Dich an der neuen Aufgabe?
Oliver Oelrich: Man hat es im Stall Meggle geschafft, eine nahezu perfekte Infrastruktur aufzubauen – das ist das Erste. Hier ist alles auf die Bedürfnisse unserer vierbeinigen Partner ausgerichtet worden, sodass diese mental sehr ausgeglichen sind und physisch bestmöglich trainiert werden können. Das ist für mich als Trainer außerordentlich, eine solche Situation vorzufinden. Und dann kommt die Ruhe dazu, die man hat. Um Pferde gut und erfolgreich auszubilden, braucht man viel Zeit, die wir hier haben. Es kann nach jedem Pferd einzeln geschaut werden, wie es sich entwickelt, der eine lernt schnell, der andere langsam, aber man kann jeden speziell fördern. Oft werden durch wirtschaftliche Aspekte oder Erfolgsdruck Pferde zu schnell und zu früh in schweren Prüfungen eingesetzt, wodurch die korrekte klassische Ausbildung diesen Zielen untergeordnet wird. lm Stall Meggle sind auch diese Bedingungen einfach optimal. Das ist es, was den ganz großen Reiz ausmacht.
dressursport.kim: Wir wissen schon, Du hast drei Reiter im Meggle-Team, mit denen Du arbeiten wirst. Wie viele Pferde stehen vor Ort?
Oliver Oelrich: Es stehen etwa 25 Pferde im Stall Meggle, neben einigen älteren Pferden, die ihre Rente genießen, gibt es von Jungpferden bis zu erfahrenen Turnierpferden hin alles. Ein paar Pferde sind aus den Nachwuchsserien im deutschen Dressursport bekannt, Meggle’s Grimani TSF beispielsweise, oder der zehnjährigen Meggle’s Verdi. Mit Megglels Fidelio Royal und Megglels Long Island, war Kathrin Anfang Dezember in Salzburg schon im St. Georg vorne platziert. Wir können die Pferde da abholen, wo sie gerade stehen, und gehen erst dann mit ihnen aufs Turnier, wenn sie so weit sind. Das alles geschieht in ganz enger Absprache mit der Managerin Dodo Eichinger, die viele Jahre vor Ort ist und die Pferde natürlich viel besser kennt als ich.
dressursport.kim: Ein Blick noch mal in die Schweiz. Seit 2021 bist Du Nationalcoach der Schweizer – was hat sich seither entwickelt?
Oliver Oelrich: Der Jugendbereich war durch Heidi Bemelmans schon gut strukturiert und aufgebaut, was man nicht zuletzt auch an den Erfolgen in den vergangenen Jahren erkennen kann. Im Seniorenbereich habe ich in enger Zusammenarbeit mit der neuen Equipechefin Ruth Haas versucht, die Systematik aus dem Nachwuchsbereich zu übernehmen. Wir haben regelmäßige Kadertrainings, Fitnesstests, Mental- und Medientrainings eingeführt. Zusätzlich gibt es im Frühjahr ein offizielles Aufgaben-Reiten mit einem Richter, an dem möglichst auch Schweizer Richter und alle Heimtrainer teilnehmen, damit es einen regen Austausch gibt und wir alle gemeinsam das gleiche Ziel im Blick haben. Mir ist ganz wichtig, dass jeder das Gefühl hat, ein wichtiger Bestandteil des ganzen Teams zu sein und besonders die Heimtrainer gilt es, mit einzubinden und zu fördern.
dressursport.kim: Welche Erfolge konntest Du mit Deinen Schweizer Reitern schon verbuchen?
Oliver Oelrich: Wie schon erwähnt war der Nachwuchsbereich schon sehr erfolgreich mit mehreren Top 5 Platzierungen im Team und diversen Top 10 Resultaten in der Einzelwertung. Bei den Senioren war der erste Erfolg im Nürnberger Burg-Pokal mit Andrina Suter, die 2022 Platz eins und zwei im Finale belegt hat. Da konnten wir schon mal ein Lebenszeichen von uns geben (schmunzelt). Danach folgte 2024 der Gewinn der Bronzemedaille bei der WM der sechsjährigen jungen Dressurpferde durch Charlotta ‚Kiki‘ Rogerson. In diesem Jahr haben wir es das erste Mal geschafft, bei der EM ein U25-Team zu stellen, das wir aus dem Nachwuchsbereich gefördert haben. Das Team ist nur einen Punkt an der Mannschaftsmedaille vorbeigeritten, worauf wir sehr stolz sind. Aktuell sind auch zwei der U25-Reiter unter den Top Ten der Welt, wobei Tallulah Nater mit ihrem Flynn FRH die Nummer 1 ist. Und bei den Senioren war zu Beginn meiner Zeit nur Estelle Wettstein mit Platz 98 unter den Top 100, jetzt haben wir Kiki Rogerson (Platz 52), Delia Eggenberger (59), Jessica Neuhauser (60) und Charlotte Lenherr (81). Neben internationalen Siegen in München und Wiesbaden, konnte Kiki Rogerson erst kürzlich in Stuttgart den German Master gewinnen. Das war der erste Schweizer Sieg seit 40 Jahren in der Schleyerhalle. Wir setzen insgesamt durch die super Unterstützung von Swiss Equestrian Talents auf die Jugend, um in Zukunft eine breitere Spitze zu bekommen. Zurzeit sind wir dabei, ein gutes Team für die WM in Aachen nächstesJahr zusammenzustellen, auch hierfür haben wir schon einige junge Talente im Blick. Dabei wollen wir natürlich auf die Erfahrung der Routiniers nicht verzichten, aber die Jungen fangen an zu kratzen – und das ist genau richtig so.



