„’Abgebrüht’ werde ich nie sein”
Aachen rückt näher. Frederic Wandres lässt sich keinesfalls einfach vom großen Ziel treiben, sondern setzt auf einen klaren Plan, ein starkes Team und die feine Abstimmung mit seinem Pferd Bluetooth OLD. Im Interview wird deutlich: Zwischen Vorfreude, Konkurrenzdruck und großen Kulissen bleibt Wandres vor allem eines – konsequent bei sich.

Das Ziel: die WM! Frederic Wandres und Bluetooth OLD
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Was bedeutet dieses Jahr für dich – mit der WM im eigenen Land und dem Blick auf Aachen?
Frederic Wandres: Es ist ein extrem aufregendes Jahr. Paris war natürlich ein absolutes Highlight unserer Karriere. Aber jetzt rückt Aachen immer näher – eine Weltmeisterschaft im eigenen Land, das ist schon etwas ganz Besonderes. Wir lieben das Turnier in Aachen ohnehin. Dort jetzt auch noch eine WM zu reiten, wäre ein echter Traum. Wenn man es einmal greifbar macht: In Paris waren etwa 16.000 Zuschauer im Stadion, in Aachen sprechen wir im Dressurviereck – im Springstadion – von mehr als 40.000 Menschen. Allein die Vorstellung sorgt für Gänsehaut.
Du sprichst die Kulisse an. Was macht das emotional mit dir?
Frederic Wandres: Sehr viel. Natürlich ist da der Traum, dort auch die Kür zu reiten. Aber der Weg dahin ist lang: erst Mannschaft, dann Special, dann bestenfalls die Kür – und es dürfen ja nur drei deutsche Reiter starten. Das ist von vorne bis hinten eine enorme Herausforderung.
Wie gehst du die entscheidenden Monate bis dahin an?
Frederic Wandres: Mit einem klaren Plan – das ist für mich essenziell. Den haben wir gemeinsam mit unserer Bundestrainerin Monica Theodorescu bereits rund um den Jahreswechsel aufgestellt. Natürlich kann sich immer etwas verschieben, aber ein Grundgerüst gibt Sicherheit. Wir sind in Fontainebleau mit dem Nationenpreis gestartet – das war bewusst als Saisonauftakt geplant und hat sehr gut funktioniert. Danach folgen jetzt die Deutschen Meisterschaften im Rahmen des Longines Balve Optimums und dann schauen wir weiter Richtung Aachen im August.
Wie sehr verändert eine Heim-WM den Druck für dich als Reiter?
Frederic Wandres: „Abgebrüht“ werde ich nie sein – und das will ich auch gar nicht. Diese Sensibilität gehört für mich dazu. Ich bin eher jemand, der sich immer wieder neu beweisen will und sich nicht zu sicher fühlt. Der Konkurrenzdruck ist da, klar. Es kommen immer neue Paare dazu. Aber genau das macht es auch spannend – auch wenn es manchmal nervenaufreibend ist.
Wie schaffst du es auf deinem Weg zu bleiben?
Frederic Wandres: Früher habe ich mich schnell verunsichern lassen, wenn ich zu viel auf andere geschaut habe. Heute sehe ich das anders: Ich kann nicht beeinflussen, was die anderen machen. Entscheidend ist, dass wir unser Ding so gut wie möglich machen. Am Ende zählt die Leistung – und davor haben wir als Team es in der Hand, uns optimal vorzubereiten. Wir sind ein eingespieltes Team. Das ist unsere große Stärke.
Dein Pferd Bluetooth spielt dabei eine zentrale Rolle. Wie sieht euer gemeinsamer Weg aus?
Frederic Wandres: Wir kennen uns lange – und ich habe gelernt: Weniger ist manchmal mehr. Er braucht seine Routine, aber auch gezielte Ruhephasen. Und: Er genießt es, verwöhnt zu werden. Vor Turnieren bekommt er stets eine ganz besondere VIP-Betreuung – und fordert die auch ein (lacht).
Also ist Bluetooth ein kleiner „Prinz im Stall“?
Frederic Wandres: Absolut – ein Prinz mit drei Kronen. (lacht)
Wie wichtig ist dieses Selbstbewusstsein auch für die Pferde und im besonderen für deinen 16 Jahre alten Bluetooth OLD?
Frederic Wandres: Sehr wichtig. Pferde merken, wenn sie sich „gut fühlen“. Und wir als Menschen tragen viel dazu bei. Je länger man zusammenarbeitet, desto mehr kann man dieses Selbstbewusstsein auch fördern. So wachsen Pferde an der Zusammenarbeit mit dem Menschen. Ihr Ego kann den Unterschied machen, weil es den Ausdruck des Pferdes verändert.
Und du selbst? Muss man sich als Reiter auch „toll finden“?
Frederic Wandres: Ein Stück weit schon. Aber jeder hat seinen eigenen Weg. Ich bin eher jemand, der über Leistung kommen möchte – und nicht über große Worte.
Wenn du auf den Sommer blickst: Was macht für dich eine Weltmeisterschaft aus?
Frederic Wandres: Eine WM ist immer etwas Großes. Aber Aachen wird eine besondere Dimension haben. Alles, was man von 2006 hört, klingt beeindruckend – und ich glaube nicht, dass es 20 Jahre später weniger fantastisch wird. Man spürt auch, dass das öffentliche Interesse größer ist als bei einer Europameisterschaft. Das bringt zusätzliche Aufmerksamkeit – aber auch Energie.
Quelle: Pferdesport Deutschland/sag


