Unsere U25-EM-Kandidaten/3 – Katharina Schuster

Zum noch besseren Mitfiebern stellen wir hier nach und nach unsere EM-Damen vor. Jetzt: Katharina Schuster.

Katharinas Motto: Mit Bob Marley am Strand!

  • Geb.: 30. Juli 2002
  • Pferd: Qence L, 12-jährige Hannoveraner Stute v. Quantensprung
  • Bei der U25-DM in Balve haben Katharina und Qence drei überzeugende Runden gedreht.
  • Danach wurde das Paar das erste Mal ins EM-Team berufen.

Team Katharina – Qence, alias Quantje, Katharina und Nikolas

„Ich habe oft  im Ohr dabei. Das ist so eine lässige Musik, dabei komme ich immer total runter.“ Katharina hat ihren festen Ablauf vor Prüfungen. Drei Stunden vor Einritt wird eingeflochten, mit Bob Marley im Ohr. „Da fühle ich mich gleich wie am Strand, irgendwo am Meer und Quantje (Anm. so heißt Qence mit Stallnamen) schläft dann. Sie entlastet hinten, lässt die Lippe hängen und entspannt total. Das ist unser gemeinsames Ritual. Dann mache ich meine Haare bzw. Niko macht das (lacht), er ist mittlerweile Profi darin geworden. Nach dem Haaremachen geht Niko schon mal in den Stall und ich nehme mir noch mal Ruhe für mich und meditiere mehr oder weniger. Ich mache mir wieder Musik rein und habe mir mit Sportpsychologin Gabi Bussmann ein paar Sprüche erarbeitet, die ich verinnerliche. Zum Beispiel: ‚Mein Team steht hinter mir.‘ Dann gehe ich in den Stall und habe in jeder Sekunde Musik drin, damit ich nichts von dem Trubel um mich herum mitbekomme. Das ist das beste Rezept: absolute Ruhe, sowohl für mich als auch für Quantje. Niko und ich machen das Pferd fertig und reden dabei gar nicht. Ich habe meine Musik drin, alles ist komplett eingespielt. Ganz wichtig ist, dass ich Quantje vor dem Satteln dehne. Das darf nie vergessen werden. Auch ein Ritual. Und bevor ich aufsteige, laufe ich immer noch mal die Aufgabe im Stallzelt durch. AirPods raus und Headset rein – das passiert erst, wenn wir aus dem Stall reiten – 20 Minuten Schritt reiten. Da komme ich noch mal runter und dann geht’s los.“ Ein festes Prüfungsritual als ‚Glücksbringer‘.

Katharina ist studierte Grundschul-Lehrerin mit den Hauptfächern Sport und Geografie. Im Sommer 2025 hat sie ihr Studium in München beendet, zwei Jahre Referendariat stehen noch aus, aber die müssen noch ein bisschen warten. „Ich habe das jetzt erst mal auf Eis gelegt und widme mich im Moment voll und ganz den Pferden“, erklärt Katharina gut gelaunt. „Mal sehen, wohin mich die Reise führt. Aber ich habe schon mal ein abgeschlossenes Studium, an das ich anknüpfen könnte.“

Katharinas Partner, Pferdewirtschaftsmeister Nikolas Eichelsbacher, hat vor gut zwei Jahren den Betrieb seiner Familie übernommen, Reitstall Eiben, im oberfränkischen Münchberg. Dort packt die 23-Jährige seit Ende ihres Studiums tatkräftig mit an und dort ist inzwischen auch das Zuhause von Qence. Den ehemaligen Stall Eiben mit Schulbetrieb und Einstellern wollen die Beiden nach und nach immer mehr in einen Ausbildungsbetrieb umstrukturieren. „Den Schulbetrieb hat Niko direkt eingestellt, er möchte sich ganz auf Ausbildung und Beritt konzentrieren“, erklärt Katharina. Zwei, die für Pferde und Dressursport brennen, und sich im Grunde durch Qence kennengelernt haben …

Katharina und Qence in Balve
www.sportfotos-lafrentz.de

Der Anfang von Katharinas reiterlicher Laufbahn war klassisch. Die Freundinnen in der Grundschule gingen zum Reiten, eines Tages wollte Katharina mit. „Zu dem Zeitpunkt habe ich noch sehr ambitioniert Tennis gespielt, aber gleich beim ersten Mal im Stall wurde ich mit dem Pferdevirus infiziert. Ich wollte unbedingt reiten.“ Obwohl ihre Eltern bis dahin nichts mit Pferden zu tun hatten, haben sie Katharinas Wunsch direkt unterstützt. Die erste Schulstunde in einem Reitstall in der Nähe von ihrem Wohnort Bernried wurde gebucht. „Es ging ganz schnell, dass ich jeden Nachmittag und in den Ferien immer da war und geritten habe, was mir unter den Popo kam“, lacht Katharina. „Wenn die Besitzer im Urlaub waren, durfte ich deren Pferde reiten und irgendwann hatte ich vier oder fünf Reitbeteiligungen. Ich hatte total Blut geleckt.“ Der Wunsch nach einem eigenen Pferd ließ nicht lange auf sich warten. „Da waren meine Eltern aber doch erst mal skeptisch“, erzählt die Pferde-Infizierte. „Sie hatten ja keine Ahnung von Pferden und ich war jetzt auch noch nicht in dem Alter, in dem man das alles allein managen kann.“ Ein Kompromiss wurde ausgehandelt: Warten bis Katharina 15 ist, vielleicht schon der erste Freund auftaucht und dann sehen, ob die Begeisterung immer noch so groß ist. Katharina wurde 15 und war mehr denn je Feuer und Flamme für die Pferde und die Reiterei.

dressursport.kim: Wie ging es dann weiter?

Katharina: Dann hat meine Mutter tatsächlich die Initiative ergriffen und sich umgeschaut, ohne mein Wissen zu Beginn. Irgendwann hat sie mich eingeweiht, wir haben angefangen uns aktiv umzusehen und ich war natürlich auf Wolke 7! Nach ein oder zwei Monaten sind wir auf den Stall von Familie Limbecker, auch in Bernried am Starnberger See, gestoßen. Gut Adelsried von Limbeckers ist ein Zucht- und Ausbildungsstall, fünf Minuten mit dem Fahrrad von uns entfernt. Da stand die damals dreijährige Qence im Stall, die gerade ein paar Monate unter dem Sattel war…

dressursport.kim: Eine Dreijährige für ein 15-jähriges Mädchen…?

Katharina: (lacht) Genau, so wie man es eigentlich nicht macht. Aber es war kurz vor Weihnachten und Qence hatte Plüschfell und war so verschmust und guckte da aus ihrer Box raus – ich war hin und weg. Susanna Limbecker, die den Stall leitet, hat uns gesagt, dass sie wirklich brav ist, im Umgang und beim Reiten. Und genauso war es auch. Ich konnte sie völlig problemlos Schritt, Trab, Galopp außen herumreiten. Ich habe sie noch zwei-, dreimal ausprobiert und dann haben wir sozusagen ein Gesamtpaket gekauft. Meine Eltern haben gesagt, dass wir das nur machen, wenn ich jeden Tag Betreuung mit dem Pferd habe. Susanna Limbecker hat uns angeboten, dass ich für ein Jahr bleiben kann und jeden Tag mit Qence betreut werde – beim Reiten, beim Longieren, bei allem – das war super. Ab dem Moment wurde der Stall quasi mein zweites Zuhause und aus dem einen Jahr sind am Ende fünf Jahre geworden.

dressursport.kim: Und jetzt kam auch Nikolas ins Spiel?

Katharina: Ja genau. Niko hat gerade seine Ausbildung bei Limbeckers gemacht und mir ganz viel mit Qence geholfen. Ich bin damals etwa auf A-Niveau geritten und habe mit Qence in Reitpferdeprüfungen angefangen. Es klappte einfach so gut, dass wir jede Saison eine Stufe höher reiten konnten. Ich habe mit ihr gelernt und sie hat mit mir gelernt. Wir sind jedes Mal aufs Neue aufs Turnier gefahren und haben gesagt: ‚Okay, wir probieren es aus und schauen, wo es uns hinführt.‘ Im Nachhinein war das die beste Einstellung, weil ich mir keinen Druck gemacht habe. Ich wusste auch nicht, wohin das Ganze führen kann.

Das Team Katharina, Nikolas und Qence hat sich bis heute nicht geändert – von der Reitpferdeprüfung bis zur U25-EM. Mannheim war die erste EM-Sichtung für die U25-Reiter, schon da ist es für Katharina und Qence gut gelaufen. „Da hatte ich ein minimales Bauchgefühl, habe aber noch nicht gewagt, weiter zu denken.“ Dann kam Balve. „Da kam das erste Mal der Gedanke auf, dass ich ganz schön weit vorne reinrutsche, aber ich habe mich nicht getraut, das laut auszusprechen.“ Nach der Kür stand fest: Katharina und Qence sind im Team. „Ein Wahnsinnsgefühl!“

Niko, Katharina und Qence sind ein eingespieltes Team, die sich sehr gerne Inputs von außen holen, auf Lehrgängen von den Bundestrainern Monica Theodorescu und Hans-Heinrich Meyer zu Strohen beispielsweise oder auf den Abreiteplätzen großer Turniere. „In Balve oder Mannheim, wo die Crème de la Crème reitet, da sitzen wir von morgens bis abends am Abreiteplatz und nehmen uns wirklich vor, die Sachen, die wir da entdecken, auch daheim mal auszuprobieren. Oft sind es nur ganz kleine Sachen, die einen Unterschied ausmachen.“

Nikolas begleitet die Laufbahn von Katharina und Qence von Tag 1 an!

So sieht sich Katharina selbst

Katharina beschreibt sich selbst als perfektionistisch, vielleicht sogar ein bisschen zu viel. „Aber ich würde sagen, dass das genau ein Teil von dem Erfolg ist, weil man immer an sich arbeiten muss, die ganze Zeit, jede Sekunde.“ Fürsorglich ist das zweite Wort, das sie für ihre eigene Beschreibung aussucht. „Mein Pferd steht wirklich an Stelle Nummer 1. Die bekommt mehr Physio und Zusatzfutter als ich.“ Ausdauernd – das dritte Stichwort.  „Ich gebe mich nicht auf, ich bleibe dran. Wenn etwas nicht funktioniert, dann überlege ich, woran es gelegen hat, und mache weiter.“ Zuletzt nennt sie zielstrebig und ambitioniert. „Ich versuche, neben dem Reiten meinen Ausdauer- und Kraftsport zu machen. Ich möchte nicht nur, dass mein Pferd absolut fit ist, sondern dass ich es auch bin.“

So sieht Katharina ihre Qence

Katharina ist der eine Teil des Erfolgs-Duos, der zweite ist natürlich Qence: „Qence ist sehr charakterstark. Sie kann genau sagen, wann ihr etwas passt und wann nicht. Sie kann sprechen wie ein Mensch. Ich weiß immer ganz genau, wie sie drauf ist, das ist schon enorm. Neben charakterstark ist sie aber auch sehr lernbereit und genauso ausdauernd wie ich. Sie ist fit, motiviert und hat Spaß an der Arbeit. Vielseitig ist sie auch. Wir gehen ins Gelände und wir springen. Wir haben Zuhause einen Tag in der Woche, an dem wir alle unsere Dressurpferde springen. Sie hat so einen Spaß dran. Ich bin der Pilot oben drauf und sie sieht den Sprung und gibt Gas. Das ist richtig cool und ich glaube, das ist das, was sie fit und motiviert hält.“ Und verschmust sei sie, total verschmust. „Wenn meine Mutter am Turnier dabei ist, ist sie die Schmusebeauftragte. Davon kann Quantje nicht genug kriegen.“

✊✊✊ Heute um 14.00 Uhr gehen Katharina und Qence als deutsches Startpaar der U25-EM in Pilisjászfalu ins Viereck.

Die weiteren Startzeiten:

🙋‍♀️ Mittwoch 15.36 Uhr: Pia Gagel, Riccio (Foto mit Vater H. Lehrmann)
🙋‍♀️ Donnerstag 14.38 Uhr: Lucie-Anouk Baumgürtel, Zinq First Vienna FH FRH
🙋‍♀️ Donnerstag 16.15 Uhr: Rose Oatley, Alive and Kicking
Donnerstag gegen 17.40 Uhr stehen die Mannschaftsmedaillen fest!✊