Unsere U25-EM-Kandidaten/2 – Lucie-Anouk Baumgürtel

Zum noch besseren Mitfiebern stellen wir hier nach und nach unsere EM-Damen vor. Jetzt: Lucie-Anouk Baumgürtel.

Lucies Motto: “Konzentriert von Lektion zu Lektion.”

Foto oben:Lucie auf dem Podium in Balve (©www.sportfotos-lafrentz.de)

• Geb.: 20. Januar 2004

• Pferd: ZINQ First Vienna FH FRH, 10-jährig

• 18 Goldmedaillen bei Nachwuchs-Europameisterschaften von 2016 bis 2025. Eine Gold- und eine Silbermedaille bei der U25-DM

• Danach wurde das Paar das erste Mal ins U25-EM-Team berufen.

Team Lucie – First Vienna, Lucie und Mutter Beatrice Baumgürtel.

„Eine tolle Erfahrung zu haben, möglichst gute Runden zu reiten und mit einem guten Gefühl nach Hause zu kommen“, das wünscht sich Lucie-Anouk Baumgürtel bei ihrer zehnten Europameisterschaft, der ersten im Lager der U25-Reiter. „Ich möchte einfach alles mit diesem Herzenspferd genießen.“

Lucie studiert Psychologie in Münster, ist kurz vor der Bachelorarbeit und genießt auch ihr Studium. „Ich bereue es niemals, dass ich Psychologie studiert habe. Es ist wirklich ein ganz tolles Studium.“ Dreimal pro Woche war sie in den vergangenen Semestern in Münster an der Uni, den Rest hat sie online gelernt, damit sie immer für eine ‚Sache‘ genug Zeit hatte: die Pferde.

Lucie-Anouk Baumgürtel, 18-fache Europameisterin – welche Persönlichkeit steckt hinter dieser Ausnahmesportlerin? „Ich würde mich als diszipliniert beschreiben“, erklärt Lucie selbst. „Ich denke, das lernt man auch durch den Sport. Und dann würde ich sagen, dass ich ehrgeizig bin und auch liebevoll. Ich liebe die Pferde. Das ist das Allerwichtigste – ohne sie geht es einfach gar nicht. Ich liebe die Pferde auch, weil ich sie schon so lange kenne, dann entsteht eine ganz tolle Bindung.“

Von klein auf trainiert Lucie mit ihrer Mutter Beatrice Baumgürtel, etwa einmal pro Woche kommt auch Sebastian Heinze zum Training. „Meine Mutter sieht natürlich alle Pferde jeden Tag im Training, dadurch hat sie einen guten Überblick, achtet sehr darauf, dass die Basis stimmt, alle Pferde gut über den Rücken gehen und sie ist sehr detailorientiert. Sie hilft mir auch beim Ausbilden der jüngeren Pferde. Mit Seb trainiere ich mal die älteren und mal die jüngeren Pferde, wie es gerade am besten passt. Ich bin ihm total dankbar, dass er mir mit First Vienna beim Sprung von St. Georg-Niveau in den Drei-Sterne-Bereich so geholfen hat. Ein Pferd und eine Reiterin, die unerfahren waren, und er hat uns quasi an die Hand genommen.“

Lucie und Herzenspferd Vienna 🙂
www.sportfotos-lafrentz.de

Lucie reitet die Vitalis-Tochter seit sie fünf war, gemeinsam sind sie den Weg bis in den Grand Prix-Sport gegangen. Jetzt ist Vienna zehn und sie fahren zur EM – was für eine Reise! „Im Mai letztes Jahr bin ich zum ersten Mal mit Vienna in einer Drei-Sterne-Prüfung an den Start gegangen“, erzählt Lucie. „Das hat schon gut geklappt. Über die Saison hat sie immer mehr Kraft entwickelt, so dass wir Ende des Jahres in Oldenburg unseren ersten Kurz-Grand Prix reiten konnten.“ Das sei schon sehr cool gewesen, aber… „da waren natürlich noch die Piaffen schief und alles noch nicht so stabil.“ Den Winter habe sie nutzen können, weiter Erfahrung zu sammeln und Kraft aufzubauen. „Nach und nach wurde alles sicherer und stabiler.“

Eine Herausforderung sei es gewesen, ihr die Galoppwechsel beizubringen. „Das brauchte wirklich Zeit und Geduld“, erinnert sich Lucie. „Die einzelnen Wechsel haben richtig lange gedauert, aber die Einerwechsel hat sie dann ganz schnell gelernt. Inzwischen machen die Wechsel mit ihr extrem viel Spaß. Das ist generell bei ihr so: Wenn es einmal in ihrem Kopf drin ist, dann klappt es.“ Die Galoppverstärkungen seien ein weiteres Highlight von Vienna. „Generell ist sie ein sehr ausdrucksstarkes Pferd mit viel Talent auch für Piaffe und Passage.

Im EM-Trainingslager in Warendorf haben die Beiden die letzte Vorbereitung auch mit Hilfe von Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen erlebt. „Seine Tipps sind immer super. Er ist ein ganz toller Trainer, achtet enorm viel auf den Sitz und das Gesamte – ich lerne jedes Mal von ihm.“

Mit der Europameisterschaft möchte sie es genauso machen wie mit jeder Prüfung im Studium: Konzentriert von Lektion zu Lektion. „Wichtig sind für mich meine strikten Routineabläufe: Ich plane am Abend vor dem Start genau meinen Tagesablauf. Das finde ich extrem wichtig. Wann ich aufsteige, wann wir füttern, wann sie noch einmal spazierengeht etc. Vorbereitung ist einfach alles. Das gibt mir Sicherheit und Selbstvertrauen.“

Die Sicherheit gibt ihr nicht zuletzt auch die sehr lange Verbindung mit First Vienna. „Sie ist ein sehr menschenbezogenes Pferd. Wir sind einfach eins“, beschreibt Lucie. „Wir kennen uns in- und auswendig. Ich weiß ganz genau, was sie möchte, und ich glaube, sie kennt mich auch einfach supergut. Wenn ich in den Stall komme und Vienna rufe, dann grummelt sie schon. Sie ist auch eine Diva und wird echt verwöhnt, aber das war schon immer so. Sie ist einfach eins meiner Herzenspferde.“