Unsere U25-EM-Kandidaten/1 – Pia Gagel

Morgen, Mittwoch, 8. Juli, geht es schon mit der U25-EM in Pilisjászfalu los. Zum noch besseren Mitfiebern stellen wir hier nach und nach unsere EM-Damen vor. Wir beginnen mit Pia-Carlotta Gagel.

Pias Motto: “So viel Spaß wie möglich haben!”

Foto oben: Pia auf dem Podium bei der DM (©www.sportfotos-lafrentz.de)

• Geb.: 22. Januar 2004

• Pferd: Riccio, 16-jähriger Oldenburger v. Rock Forever NRW

• Bei der U25-DM in Balve haben Pia und Riccio Doppel-Bronze gewonnen.

• Danach wurde das Paar das erste Mal ins EM-Team berufen.

Team Pia – mit Trainerin Cora Jacobs, Pflegerin Annette, Vater Henning Lehrmann, Pia und Riccio

Deutsche Meisterschaft Balve, Pia ist in der Dopingprobe. Unaufhörlich klingelt ihr Telefon. „Irgendwann habe ich die Ärztin gefragt, ob ich mal rangehen darf.“ Am anderen Ende: „Pia, wo bist Du? Du musst ganz schnell ins Pressezelt.“ Pia hetzt los, erst zu ihrem Vater, um zu fragen, wo überhaupt das Pressezelt ist.  In aller Eile vernimmt sie den Satz „Du bist nominiert.“ Ruckzuck sitzt sie vor der Presse und hört die Frage: „Wie ist es für Dich, jetzt in der Mannschaft zu sein?“ Da kommt die Message richtig an: Sie gehört zum U25-EM-Team 2026! „Wow, da musste ich erst mal kurz nachdenken“, lacht sie. „Ich dachte nach den zwei Medaillen schon, dass ich auf die Longlist komme, aber ich habe nicht damit gerechnet, ins Team zu kommen.“

Pia studiert seit zwei Jahren Tiermedizin in Budapest und pendelt zwischen ihrem Zuhause in Helmstedt und dem Unileben in Budapest hin und her. „Unsere Uni ist glücklicherweise sehr offen für Sportler“, erzählt Pia. „Wenn man einen Antrag stellt und ein paar Leistungsnachweise einreicht, dann bekommt man einen speziellen Stundenplan, so dass man beispielsweise nur dreimal pro Woche in die Uni muss. Das macht es etwas einfacher, den Sport und die Uni zu verbinden.“

Wenn sie zu Hause ist, fährt sie nahezu täglich die Dreiviertel-Stunde nach Wolfenbüttel, dort stehen ihre Pferde. Dreimal in der Woche trainiert Pia mit Cora Jacobs und das schon seit etwa acht Jahren. Ein- bis zweimal im Monat kommt auch Christoph von Daehne vorbei, um im Training zu unterstützen. Alles weitere liegt in den Händen ihres Vaters, dem internationalen Dressurrichter Henning Lehrmann.

Pia, Riccio und Vater Henning Lehrmann in Balve
www.sportfotos-lafrentz.de

dressursport.kim: Nicht jeder hat einen Olympia-Richter zum Vater, welche Rolle spielt er in Deiner reitsportlichen Laufbahn?

Pia: Eine sehr große. Durch ihn bin ich überhaupt zum Reitsport gekommen. Pferde und Reiten waren schon immer präsent in meinem Leben, auch wenn ich dafür recht spät angefangen habe.

dressursport.kim: Was bedeutet ‚recht spät‘?

Pia: So richtig erst mit zehn, zwölf Jahren. Mein Vater ermöglicht mir überhaupt den Sport und er hat das Hauptmanagement, wie das zu Hause mit meinem Hin- und Herreisen läuft, sonst wäre das alles gar nicht möglich. Und natürlich unterstützt er mich auch im Training. Cora legt im Training unheimlich viel Wert auf das reelle Reiten, dass alles durch den Körper und dass auch Pferde mit schwierigem Körperbau das alles lernen. Und sie ist sehr positiv im Unterricht, bestärkt einen sehr viel und gibt einem sehr viel Selbstbewusstsein. Und mein Vater ist für die genauen Kleinigkeiten im Training da (lacht).Da kommen dann Sätze wie: ‚Jetzt hängt er aber noch ein bisschen im Genick.‘ oder  ‚Jetzt müssen wir noch mal ein bisschen an der Linksstellung arbeiten.‘

Neben EM-Partner Riccio reitet Pia regelmäßig den 16-jährigen Luke Skywalker, mit dem sie im vergangenen Jahr noch international im Junge Reiter-Bereich am Start war. Und den zwölfjährigen Innuendo, mit dem sie 2025 bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Aachen unter die Top Ten geritten ist.

dressursport.kim: Deine allererste EM naht – wie fühlt sich das an?

Pia: Es ist eine sehr große Ehre und sehr viel Vertrauen, das einem da entgegengebracht wird, und wir haben tatsächlich nicht damit gerechnet. Ich habe es immer noch nicht so ganz realisiert, ehrlich gesagt. Es ist einfach toll, auch diese Erfahrung einmal mitmachen zu dürfen. Vor allem auch mit diesem Pferd. Riccio wurde immer ein bisschen als unauffällig abgestempelt und macht jetzt durch seinen tollen Charakter und seine Einstellung zum Sport einfach alles möglich. Er hat mich in den vergangenen Jahren in den Drei-Sterne-Sport geführt. Von ihm durfte ich so viel lernen. Er zeigt mir immer deutlich, ob ich beispielsweise richtig zum Galoppwechsel hinreiter oder nicht. Wenn ich das nicht ordentlich mache, dann macht er es auch nicht. Aber er verzeiht mir alles. Wenn ich es dreimal falsch mache, macht er es halt dreimal nicht, aber beim vierten Mal, sobald ich es richtig mache, sagt er: okay, jetzt verstehe ich Dich, dann machen wir das.

Zwölfjährig hat Pia Riccio gefunden, zuvor ging er schon unter dem Sattel von Martin Pfeiffer auf Drei-Sterne-Niveau. „Ich fand ihn sofort toll, weil er mich so sehr an meinen Copperfield erinnert hat“, schmunzelt Pia. „Mit Copperfield habe ich 2021 meine erste Drei-Sterne-S geritten, damals war er 19 und ich 17.“

Auf Turnieren hat Pia einen ganz klaren Grundsatz: So viel Spaß wie möglich haben. „Ich habe da auch ein ganz tolles Team – mit meinem Vater, der überhaupt keinen Druck macht, und Cora, die auch wirklich keinen Druck macht, und unserer Pflegerin Annette, mit der ich mich super verstehe.“ Natürlich sei auch eine gewisse Ernsthaftigkeit und Leidenschaft dabei, dass man immer das rausholt, was geht. „Wichtig ist für uns, dass wir ein tolles Wochenende haben und wenn das dann noch mit Erfolg gekrönt ist, ist es umso besser.“

dressursport.kim: Was würdest Du selbst sagen, was sind Deine Stärken im Sattel?

Pia: Dass ich mit Prüfungssituationen relativ gut umgehen kann und relativ entspannt bin, egal, was so kommt. In Balve mussten wir zum Beispiel wegen des Unwetters das Abreiten unterbrechen – in solchen Momenten kann ich relativ gut abschalten und mich auf meine Prüfungssituation konzentrieren. Und ich denke, dass ich grundsätzlich sehr viel von dem umsetzen kann, was man mir sagt.

dressursport.kim: Und warum passen Riccio und Du so gut zusammen?

Pia: Wir wollen beide unseren Job machen, unser Bestes geben und dafür alles tun. Und wir sind über die Jahre sehr gut zusammengewachsen. Gerade in den letzten Monaten ist noch mal alles stabiler geworden. Wir können jetzt das, was wir können, sehr stabil abrufen.

Daumen sind gedrückt für den ersten EM-Start der beiden