Netz: “…noch eine Rechnung offen!”

Warum Raphael Netz noch eine Rechnung mit dem Turnier in `s-Hertogenbosch offen hat. Wie er mit Camelot auf das Finale in Texas blickt und ob er manchmal auch einen Gedanken an die WM hat?

dressursport.kim im Gespräch mit Raphael Netz vor der letzten Weltcup-Etappe in `s-Hertogenbosch.

Raphael Netz und Dieudonne in `s-Hertogenbosch – jetzt ist Training, morgen geht’s los.

dressursport.kim: Von Moosburg nach `s-Hertogenbosch sind es 780 km. Du hast Deine Weltcup-Punkte fürs Finale schon gesammelt, warum bist Du hier?

Raphael Netz: Dafür gibt es mehrere Gründe. Erst mal ist `s-Hertogenbosch ein ganz tolles Turnier. Außerdem ist Dieu (DSP Dieudonne) noch nicht ganz so routiniert und souverän wie Great Escape Camelot. Diese Erfahrungen kann er aber nicht zu Hause sammeln, dafür braucht er Turniere wie `s-Hertogenbosch. Und der dritte Grund: Ich habe mit `s-Hertogenbosch noch eine Rechnung offen. Ich war das letzte Mal vor sechs Jahren hier, 2020. Damals ist gerade Corona ausgebrochen. Wir sind angereist und mussten eigentlich direkt wieder abreisen. Dieses Mal möchte ich auf jeden Fall hier reiten.

dressursport.kim: Für Dieudonne wird es der dritte Weltcupstart nach Lyon und Basel – wie hat er sich verändert?

Raphael Netz: Dieu ist fantastisch drauf. Ich finde, er hat sich seit Basel noch mal weiterentwickelt, hat noch mal ein bisschen mehr Kraft bekommen. Die Einerwechsel sind beispielsweise noch gerader geworden. Schauen wir mal, ob wir das auch ins Viereck kriegen (schmunzelt). Prinzipiell wirkt er beim Aufgabereiten stabiler unter mir und braucht weniger Stütze von mir. Es wird alles immer reeller und schöner durch den Körper.

dressursport.kim: Camelot fliegt mit Dir zum Weltcup-Finale nach Texas. Was macht er bis dahin?

Raphael Netz: Der Abflug ist ja schon in zwei Wochen, bis dahin genießt er lockeres Training. Jetzt hat er gerade ein paar Tage Pause, weil ich weg bin. Er war ein bisschen sauer, als wir gestern Dieu verladen haben und er nicht mitdurfte. Ich glaube, er freut sich schon wieder auf seinen nächsten Start.

dressursport.kim: 2024 warst Du schon mit ihm in Riad beim Finale, damals seid Ihr direkt Fünfte geworden. Wie habt Ihr Euch in den vergangenen zwei Jahren verändert? Was ist Dein Ziel für das Finale in Texas?

Raphael Netz: Mein erstes Ziel ist, den ganzen Papierkram erledigt zu haben (lacht). Im Ernst, 2023-2024 war meine erste Weltcup-Saison. Es war alles unheimlich spannend und aufregend. Wir haben zum ersten Mal diese tollen Turniere geritten, wir waren zum ersten Mal im Finale, wir sind zum ersten Mal geflogen. Ich würde sagen, wir haben das alles noch mit einer Art jugendlicher Leichtigkeit und Euphorie absolviert. Inzwischen sind wir beide in unsere Rolle noch mehr hineingewachsen. Wir sind nicht weniger euphorisch, aber man hat etwas mehr Souveränität und ist nicht mehr ganz so überrascht von einigen Situationen. Und auf unser Reiten im Viereck bezogen konnten wir unsere Technik in Grand Prix und Kür noch verfeinern, können noch besser am Punkt abliefern und sind, denke ich, sehr konstant in unseren Leistungen. Ich habe über ein Ziel in Texas noch nicht wirklich nachgedacht: Das Wichtigste ist, dass wir erst mal heil da drüben aus dem Flieger steigen. Dann will ich mich, wie immer, einfach aufs Reiten konzentrieren, meinem Pferd Camelot gut zuhören und im Hier und Jetzt sein, damit wir dann möglichst top Leistung bringen können. Wo wir dann landen, sieht man dann…

dressursport.kim: Eine Frage, die ich mir nicht verkneifen kann: Denkst Du manchmal an die WM in Aachen?

Raphael Netz: Ich sehe meinen Namen noch nicht in Verbindung mit einer WM, für mich ist jetzt erst mal das Weltcup-Finale ein großes Ding. Camelot ist schon geflogen, das ist kein Experiment, er ist routiniert, topfit und kerngesund. Wir haben die Weltcup-Saison mit vier Etappen abgeliefert, jetzt kommt das Finale und bis zur WM sind dann praktisch nur noch Balve und Hagen. Wenn es so käme, wäre das managementtechnisch sicher nicht zu viel für ihn und am Ende ist auch die WM ‚nur‘ ein weiteres Turnier.

In ´s-Hertogenbosch dabei

Drei deutsche Paare gehen bei der letzten Weltcup-Etappe der Saison an den Start, neben Raphael Netz mit DSP Dieudonne sind das Moritz Treffinger mit Cadeau Noir und Dr. Svenja Kämper-Meyer mit Amayara M FRH (Die Geschichte von Kieferorthopädin Svenja lesen Sie HIER).

Am Freitag beginnt um 14.00 Uhr der Weltcup-Grand Prix bei den Dutch Masters in ´s-Hertogenbosch, am Samstag ab 14.00 Uhr steht die Weltcup-Kür auf dem Programm.