Aki Lachemann – Neustart in Bayern
Ann-Kathrin Lachemann – Umzug nach Bayern, eine Frage der Geduld und wie ist das mit der Angst vor dem Wieder-Aufsteigen?

Ann-Kathrin ‘Aki’ Lachemann
© Max Anker
Mitte Oktober 2025 hatte Ann-Kathrin Lachemann einen Reitunfall. Drei gebrochene Querfortsätze an den Lendenwirbeln – das war extrem schmerzhaft und braucht vor allem Geduld und Zeit. Die ersten vier Wochen durfte sie nur liegen, dann musste sie ein Korsett tragen und sich sehr lange ruhig verhalten. Später konnte sie in der Reithalle sitzen, zugucken und den Kollegen mit dem ein oder anderen Tipp helfen. Mittlerweile ist sie in ‚Vollzeit-Reha‘, das bedeutet, fünf Tage pro Woche ist sie in Kiel, hat verschiedene Anwendungen, macht Krafttraining etc. Vier Monate hat sie nicht mehr auf einem Pferd gesessen. Anfang März kann sie wieder in den Sattel steigen – pünktlich, wenn sie ihre neue Stelle im Dressurstall Meggle in Bayern antritt.
Angst? „Nein, hab‘ ich nicht!“
‚Aki‘ Lachemann hatte viel Zeit in den vergangenen Monaten. Kam ihr je der Gedanke, vielleicht doch nicht mehr aufs Pferd zu steigen und was anderes zu machen? „Nein, nie! Die Reiterei, die Pferde – das ist meine Leidenschaft. Ich könnte mir absolut nicht vorstellen, jetzt lieber einen Bürojob machen zu wollen. Viele haben mich gefragt, ob ich Angst habe, wieder aufs Pferd zu steigen. Nein, hab‘ ich nicht. So was passiert. Sollte natürlich nicht passieren und man ist froh, wenn es nicht passiert, aber wenn, dann tut man eben alles dafür, dass es schnell wieder geht und man schnell wieder fit wird.“

Aki, ihr langjähriger Trainer Oliver Luze und seine Frau Katrin.
© Doris Matthaes
Nach dem Abitur wollte sich Aki ein Jahr intensiv um ihre Pferde kümmern, bevor es mit dem Studium losgeht. Es kam anders, die Begeisterung für die Pferde überwog. Sie machte eine Bereiterlehre (Pferdewirt klassische Reitausbildung) im Stall Burger, zunächst noch mit dem Gedanken danach zu studieren. „Und dann kam der Punkt, an dem ich mit meiner Familie zusammen entschieden habe: Ich mache einfach das, was mir am meisten Spaß macht. Das, was mich erfüllt – Reiten.“ Ziemlich schnell hat sie sich vom ‚Lehrling‘ zur Grand Prix-Siegerin entwickelt und das Süddeutsche Berufsreiter-Championat gewonnen. Danach war sie einige Zeit im Stall von Familie Deurer angestellt, der sich aber vermehrt dem Springsport widmet. Akis Herz schlägt für die Dressur. Im Januar 2025 begann sie ihre Tätigkeit auf Gut Schönweide in Schleswig-Holstein. Ihr größter Erfolg: Bei den Bundeschampionaten ritt sie den Hengst Sky v. Sezuan in großartiger Manier zum Titel der Siebenjährigen. „Ich bin Familie Gasser von Gut Schönweide sehr dankbar für das, was ich da im letzten Jahr erleben durfte. Ich habe mich durch die Arbeit mit den Hengsten noch einmal weiterentwickelt. Und dass ich die Möglichkeit hatte, mit Sky auf dem Bundeschampionat den Titel zu gewinnen. Das war einfach toll.“
Ab März wird Aki Lachemann in Bayern reiten und nun das Team des Dressurstalls Meggle ergänzen. „Ich freue mich sehr darüber, dass ich im Stall Meggle wieder die Möglichkeit habe, mit Oliver Oelrich beständig einen Trainer vor Ort zu haben – so wie ich es viele Jahre mit Oliver Luze hatte. Ich finde es unheimlich wichtig, dass regelmäßig ein Trainer von unten draufguckt. Einer, der hilft, bei dem man mal etwas nachfragen kann. Das finde ich einfach richtig toll, dass ich so auch die Möglichkeit habe, mich noch mal weiterzuentwickeln.“

Aki Lachemann: “Man gibt einfach alles dafür!”
© Doris Matthaes
Drei Fragen an Aki Lachemann:
dressursport.kim: Nach gut sieben Jahren im Berufsleben eines Bereiters – was hast Du gelernt?
Aki Lachemann: Reiterlich und menschlich ganz viel. Ich hatte schon als Kind mit Pferden zu tun und wusste schnell, dass man Verantwortung übernimmt. Aber das ist im Beruf noch mal anders. Das ist nicht wie in einem ‚normalen‘ Job, bei dem man gewisse Stunden arbeitet. Man macht so lange, wie es dauert und ist immer abrufbar. Man stellt sein Privatleben hinten an, weil man das Ziel hat, in dem Sport etwas zu erreichen – so ist es zumindest bei mir. Man gibt einfach alles dafür – mit Durchhaltevermögen und Disziplin.
dressursport.kim: Was ist am schwierigsten für Dich gewesen?
Aki Lachemann: Das ist schwer zu sagen, aber das mit der Geduld musste ich schon lernen (lacht). Ich musste lernen, dass nicht alles immer gleich funktioniert, sondern auch mal Fehler passieren müssen, damit man etwas lernt. Man kann nichts erzwingen, alles braucht seine Zeit. Und ich habe unheimlich schätzen gelernt, wie froh man sein kann, wenn es jeden Tag läuft – mal besser, mal schlechter, aber es läuft. Das ist nicht selbstverständlich und man braucht Menschen im Hintergrund, die das ermöglichen. Das genieße ich jeden Tag aufs Neue.
dressursport.kim: Man hört es in jedem Satz: Du liebst Deinen Beruf! Und Du hast große Ziele…
Aki Lachemann: Mein Ziel ist der große Sport. Ich reite unheimlich gerne junge Pferde, aber nicht ausschließlich. Wenn man die Möglichkeit bekommt, auch mal in Richtung Drei-Sterne-Sport zu reiten oder sich weiterentwickeln zu dürfen, dann ist das ein extra Kick. Ich durfte beispielsweise mit Fransje und Clara Korn schon in den Drei-Sterne-Bereich hineinschnuppern. Das hat auch ziemlich gut geklappt und beide hatte ich bis dahin selbst ausgebildet. Das macht unglaublichen Spaß. Die Pferde dann auf den größeren Turnieren präsentieren zu dürfen – das ist dieser extra Kick!
Und ich habe das Ziel, dass ich – entgegen vieler Kommentare im Netz – zeigen möchte, dass Dressursport einfach ein total schöner Sport für Reiter, aber auch für Pferde ist.


