Von Dreck mit Substanz und Dressur mit Genuss

Verblüffende Zahlen und Fakten, zwei Sorten Dreck, sehr viel Genuss und ein Dankeschön!

Ich genieße guten Dressursport in vollen Zügen! (Und das Wort ‚gut‘ muss hier nicht erklärt oder diskutiert werden. Es erklärt sich durch die Richtlinien.) Aus Sicht des Dressursport-Genießers war 2025 ein unglaubliches Jahr – mit sehr feinem Reiten auf nationaler und internationaler Bühne und herrlicher neuer Konkurrenz, mit unfassbar guten Nachwuchspferden im Louisdor-Preis und im Nürnberger Burg-Pokal, mit einem hammerstark reitenden U25-Team, das nebenbei auch noch einen mega Teamspirit gefeiert hat, und mit sehr viel Bewegung in der ganzen Pferdeszene – in eine sehr wertvolle Richtung gehend, die wertvollste: noch mehr, noch näher zum Pferd.

Durch das ganze Jahr ist aber auch immer wieder jener Satz von Hengsthalter Ingo Pape in meinem Kopf geblieben: „Ich bin nicht in einem Krankenhaus geboren, ich bin zu Hause auf unserem Hof geboren. Pferde sind ein Teil von mir. Es tut schon weh, wenn der Pferdesport so mit Dreck beworfen wird – das tut schon weh!“

Dieser Dreck wird oft geworfen, nur um etwas zu werfen – häufig ist das nur allzu offensichtlich. Aber so manches Mal hat er, der Dreck, leider auch greifbare Substanz.

Greifbar und schwer nachvollziehbar ist beispielsweise Folgendes:

Es gibt ein Pferd im internationalen Dressursport, das mit acht Jahren am 16. Februar 2024 bei seinem ersten internationalen Grand Prix am Start war. Zwischen dem 16. Februar 2024 und dem 31. Dezember 2025, innerhalb von 22,5 Monaten, ist dieses Pferd bei 45 internationalen Grand Prix-Prüfungen am Start gewesen, darunter die Olympischen Spiele in Paris, das Weltcup-Finale in Basel und die Europameisterschaften in Crozet. Hinzu kamen noch einige Schauvorführungen, die genaue Zahl ist nicht bekannt. Ich halte es für äußerst fragwürdig, wenn ein Grand Prix-Pferd innerhalb von 684 Tagen 45 Grand Prix-Prüfungen absolviert, im Schnitt alle 15,2 Tage.

Dressursport muss sich immer weiter hinterfragen und manchen berechtigten Dreck entgegennehmen – das ist außer Frage. Das hier Beschriebene steht beispielhaft dafür.

Bei alledem: Vielleicht war Dressursport in seiner großen Gesamtheit noch nie wunderbarer als im Moment! Ja, der Dreck tut weh – der, der einfach nur geworfen wird, und noch mehr der, der Substanz hat. Aber wir werden beide Sorten Dreck immer wieder abwischen und weiter bekämpfen, weil der Sport und die Entwicklung des Sports uns recht geben.

Ihnen/Euch allen einen guten Start in das Dressursport-Jahr 2026!

Und einfach mal ein riesiges Dankeschön für die vielen großartigen und inspirierenden Rückmeldungen und Kommentare an dieser Stelle.

Ihre/Eure

Kim Kreling