“Ob er vielleicht doch eher ein Springpferd wird?”

Vayron – groß, imposant, mit viel Schwung und Energie. Der Olympiaathlet ist 15, ein Sohn des Vitalis und er war zunächst gar nicht so geplant. Das Züchter-Interview mit Heinrich Sterthoff…

Vayrons Züchter Heinrich Sterthoff züchtet seit 53 Jahren. Der Zuchthof Sterthoff ist im westfälischen Hamm gelegen und hat einen klaren Schwerpunkt: die Zucht von Springpferden.

Vayron unter Ingrid Klimke
(Archiv ©EQWO, Petra Kerschbaum)

dressursport.kim: Ein leidenschaftlicher Springpferdezüchter züchtet ein Olympia-Dressurpferd – das klingt zunächst verwunderlich?

Heinrich Sterthoff: Ja, das stimmt, wir züchten hauptsächlich Springpferde, aber wir haben immer auch eine Dressurstute unter unseren Zuchtstuten, einfach so aus Spaß. Vor einigen Jahren habe ich mit dem damaligen westfälischen Zuchtleiter Dr. Marahrens mal darüber gesprochen, dass wir bei den Dressurpferden den Galopp verbessern müssen. Dass wir unsere Springstuten auch mal mit Dressurhengsten belegen müssen….

dressursport.kim: …und aus dem Grund haben Sie Vayrons Mutter Gloria mit Vitalis angepaart?

Heinrich Sterthoff: Vayrons Mutter Gloria war eine Gloster-Ramiro-Stute, also reines Springblut. Eigentlich wollte ich sie von einem Springhengst besamen lassen, das hat aber nicht geklappt. Deswegen bin ich zum Landgestüt Warendorf gegangen und habe gefragt, welcher von ihren Junghengsten am besten befruchtet – wir waren ja schon etwas spät dran. Die Antwort war: Dann musst Du Vitalis nehmen. Ich hatte den Hengst schon gesehen und wusste, dass er sich super bewegt. Also habe ich meine Springstute mit Vitalis belegt, auch weil ich ja immer noch die Idee in meinem Kopf hatte, dass wir mehr Galopp in die Dressurpferde züchten müssen – obwohl Vitalis ja auch schon einen sehr guten Galopp hatte.

Vater Vitalis unter Isabel Freese   (Archiv: © J. Toffi)

dressursport.kim: Im Mai 2011 kam Vayron auf die Welt und Sie wussten gleich, dass er etwas Besonderes ist?

Heinrich Sterthoff: Er war von Anfang an übermäßig groß, das ja, aber ich muss gestehen, dass man nicht direkt gesehen hat, dass er mal ein Dressur-Olympiapferd wird. Am dritten Tag kam er aus der Box gesprungen, dass ich noch dachte, ob er vielleicht doch eher ein Springpferd wird (lacht)?

dressursport.kim: Rudolf Spiekermann hat Vayron als Fohlen bei Ihnen gekauft – wie kam es dazu?

Heinrich Sterthoff: Rudi (Rudolf Spiekermann) und ich haben schon jahrelang zusammengearbeitet. Ich hatte in dem Jahr sechs Fohlen und fünf davon hat Rudi gekauft, allesamt springgezüchtete Fohlen. Da habe ich zu ihm gesagt: ‚Rudi, jetzt nimm‘ doch das sechste Fohlen auch noch, dann bleiben alle zusammen und ich habe den Stall leer.‘ Dieses sechste Fohlen war Vayron, er war sozusagen eine Beigabe (lacht).

dressursport.kim: 13 Jahre später ging Ihr Fohlen vor dem Schloss in Versailles bei den Olympischen Spielen an den Start…

Heinrich Sterthoff: …und ich war dabei. Mein erstes und bisher einziges Olympiapferd. Das war ein Highlight, ein züchterisches Highlight – wunderbar. Da macht das Züchten noch mehr Spaß. Und wer weiß, vielleicht ist er mit Frau Klimke in drei Jahren ja noch mal dabei…

CDI Lier

Am Samstag steht ab 10.45 Uhr die Vier-Sterne-Tour in Lier auf dem Programm, dort trifft Vayron NRW erstmals seit der Dressur-EM wieder auf Teamkollege Denoix PCH. Sonntag um 11.30 Uhr beginnt der 4*-Special, um 14.45 Uhr die 4*-Kür.

Start- und Ergebnislisten aus Lier gibt es HIER.