„… die Körperachse des Pferdes aufrichten“
Interessante Trainingsgedanken mit der Chefebreiterin des Gestüts Vorwerk, Laura Strobel. „Wenn Galopp-Trab-Übergänge nicht funktionieren – nicht weitermachen!“

Laura Strobel – typisch gut gelaunt 🙂
Sieben Jahre lang hat Laura Strobel bei Reitmeisterin Dorothee Schneider gelernt, inzwischen ist sie Chefbereiterin des Gestüts Vorwerk und bildet dort vom Jungpferd bis zum Grand Prix-Sportler aus.
dressursport.kim: Sieben Jahre bei Dorothee Schneider, was ist noch heute für Dich das Wichtigste, was Du in dieser Zeit gelernt hast?
Laura Strobel: Immer wieder den Fokus auf die Basis zu legen, angefangen mit der Lösungsphase, beim Ausbilden genauso wie auf einem Turnier; egal ob man ein junges Pferd auf eine Prüfung vorbereitet oder für einen Grand Prix abreitet. Immer gilt: Wenn Galopp-Trab-Übergänge nicht funktionieren – nicht weitermachen, sondern wirklich darauf warten, dass das Pferd den Übergang durch den Körper an die Hand mit Vorwärts-Abwärtsdehnung annimmt. Die Bewegung muss durch den Körper fließen, diesen Step darf man nie überspringen.
dressursport.kim: Fünf Jahre bist Du jetzt im Gestüt Vorwerk und hast mit Valparaiso und Sisters Act zwei Pferde, mit denen Du Grand Prix-Erfahrung sammeln kannst. Wie hat sich das auf Deine Reiterei ausgewirkt?
Laura Strobel: Beide sind ja völlig unterschiedlich, aber ich habe von beiden unheimlich viel gelernt. Ich hatte vorher praktisch keine Grand Prix-Erfahrung. Ich denke, ich habe noch mehr Flexibilität gelernt: Beide waren Grand Prix fertig und gerade, wenn man Pferde übernimmt, die man nicht selbst ausgebildet hat, muss man sich anpassen. Man verändert ja die Pferde nicht mehr.
dressursport.kim: Nehmen wir mal ein Beispiel von Sissy, Sisters Act. Mit ihr bist Du in diesem Februar erstmals auf einem Weltcup-Turnier am Start gewesen. Bei welcher Lektion fiel es Dir vielleicht am schwersten, Dich auf sie einzustellen?

Laura und Sisters Act
© www.sportfotos-lafrentz.de
Laura Strobel: Das waren schon die Galoppwechsel, ich denke, das ist meistens ein Knackpunkt. Und dass ich es in jedem Moment schaffe, sie so im Körper aufzurichten, dass sie ihre Körperbalance findet. Dieses Pferd zerreißt sich für den Reiter im Viereck, aber es ist mein Job, sie noch mehr in die Balance bringen.
dressursport.kim: Erkläre uns das ein bisschen genauer …
Laura Strobel: Sissy ist eher lang vom Gebäude her, hat sehr viel Grundschwung und -qualität und ist schnell im Kopf. Manchmal ist ihr Körper vielleicht ein ganz kleines bisschen langsamer als ihr Kopf. Wenn sie nach vorne anzieht, muss ich aufpassen, dass ich sie in der Balance auf dem Hinterbein behalte, ohne sie auszubremsen. Oder sie kreuzt schön in der Traversale und ich muss dafür sorgen, dass sie die Balance dabei nicht verliert. Ich muss dann ihre Körperachse aufrichten. Nehmen wir mal die Linkstraversale. Dann kippt der Körper des Pferdes nach innen, nach links. Dann muss ich als Reiter sagen ‚Vorsicht, mit dem Körper hierbleiben, im Gleichgewicht‘. Denken wir an die berühmten Traversalen von Bella Rose. Sie hätte nie so bedeutend kreuzen können, wenn sie dabei nicht in der Körperachse aufgerichtet und in der Balance geblieben wäre.
dressursport.kim: Wie machst Du das: Das Pferd in der Körperachse aufrichten?
Laura Strobel: Da gilt ganz klar die diagonale Hilfengebung ‚innerer Schenkel – äußerer Zügel‘. Und ich muss als Reiter natürlich auch selbst ausbalanciert sitzen. Zu Hause klappt das meistens prima, aber in der Prüfung bin ich manchmal noch zu langsam, obwohl man ja eigentlich weiß, wie es geht. Die Prüfung ist etwas anderes (lacht), aber wenn man immer alles im Viereck so schaffen würde wie zu Hause, wären wir alle Weltmeister.
dressursport.kim: Dein erstes E-Springen hast Du mit Deinem Pony Salomé ohne Abstammung, gekauft von Deinen Eltern für 500 DM, gewonnen. Das ist jetzt fast drei Turnier-Jahrzehnte her und Du hast Dein Leben als Bereiterin den Pferden verschrieben – gute Entscheidung?
Laura Strobel: Die beste! Für mich ist es der genialste Job der Welt. Es gibt mir persönlich so viel, ein Pferd anzugucken, anzufassen, zu streicheln, zu putzen, Zeit mit dem Pferd zu verbringen. Ich weiß nie, wie viel Uhr tagsüber beim Arbeiten ist. Ich vergesse die Uhrzeit, weil ich es einfach gerne mache. Klar, im Winter fühlt es sich auch mal nach Arbeit an und man möchte morgens lieber im Bett liegenbleiben und freut sich, einen Sonntag mal nicht aus dem Haus zu gehen. Aber ich kann mir nichts anderes vorstellen, in keiner Welt irgendetwas anderes.


