Dicke Piste schockt ihn nicht: Moritz Treffinger
Die siebte Weltcup-Etappe in Amsterdam ruft. Moritz erzählt von abgefahrenen Erlebnissen und Chancen, seinen Gedanken Richtung Finale in Texas, den Unterschieden zwischen Cadeau und ‚Fidel‘ und ihren beiden Küren und was er für ‚crazy‘ hält…
Foto oben: Auf zu neuen Taten – Moritz und Fiderdance

Moritz und Fiderdance in der Schleyerhalle. Foto © www.sportfotos-lafrentz.de
Viel dicker könnte die Piste nicht sein, die beim Weltcup-Turnier in Amsterdam auf Youngster Moritz Treffinger wartet: Aus den ‚eigenen Reihen‘ geht Isabell Werth an den Start, drei britische Hochkaräter stehen mit Charlotte Dujardin, Lottie Fry und Becky Moody auf der Liste, Finalsieger Patrik Kittel geht für Schweden ins Viereck und Belgien schickt die Zweite des aktuellen Weltcup-Rankings, Larissa Pauluis – um nur einige der 15 Genannten zu nennen.
Und dann ist da Moritz Treffinger – U25-Kür-Europameister, mit seinen 22 Jahren der Zweitjüngste in Amsterdams Starterfeld (Rowena Weggelaar aus den Niederlanden ist mit 21die Jüngste) und in seiner ersten Weltcup-Saison unterwegs. Bei drei Etappen war er bisher am Start, Herning, Stuttgart und London, alle drei hat er mit Cadeau Noir absolviert und dreimal 10 Punkte für das Weltcup-Ranking ‚abgestaubt‘. Das bedeutet: mit aktuell 30 Punkten liegt er auf Platz 12, die besten Neun des Westeuropa-Liga dürfen zum Finale nach Texas.
HIER geht es zum aktuellen Weltcup-Standing vor Amsterdam.

Moritz Treffinger und Fiderdance – in Amsterdam erstmals gemeinsam im Weltcup unterwegs.
dressursport.kim: Moritz, größer könnte die Konkurrenz kaum sein, schwieriger Weltcup-Punkte zu sammeln, war es bei den Stationen bisher noch nie…
Moritz Treffinger: Oh ja, das stimmt, aber ich sehe das gar nicht so. Ich sehe gar nicht diese Wahnsinns-Konkurrenz, ich sehe das als abgefahrenes Erlebnis! Im vergangenen Jahr war ich in Amsterdam in der U25-Tour am Start und habe beim Training bei den ‚Großen‘ zugeschaut. Dieses Jahr darf ich sozusagen gleichzeitig mittrainieren – das ist so surreal. Ich bin realistisch, ich weiß, dass ich mich mit diesen großen Namen noch nicht messen kann. Aber die Erfahrung nehme ich sehr gerne mit – auch den Austausch im Stallbereich. Hautnah mitzuerleben, wie sie ihre Pferde managen, eventuell sogar mit ihnen in Kontakt treten zu dürfen. Das ist so spannend, diese Menschen kennenzulernen, mit ihnen zu sprechen und sich auszutauschen. Diese Erfahrung ist so verrückt und ich genieße das, weil ich auch genau weiß, dass nicht klar ist, ob und wann ich das noch einmal erleben darf. Ich habe jetzt diese abgefahrene Chance und ich versuche, sie bestmöglich zu nutzen.
dressursport.kim: Hand aufs Herz: Du liebäugelst mit dem Finale in Texas?
Moritz Treffinger: Ich kann mich noch erinnern, als wir vor Herning telefoniert haben. Da habe ich bei dem Thema Finale laut gelacht. Nach Herning, Stuttgart und London wurde das Lachen immer ein bisschen weniger. Ich sage mal so: Ich habe Blut geleckt, aber ich weiß auch, dass ich realistisch sein muss. Vielleicht darf ich nach Amsterdam auch noch nach Neumünster oder `s-Hertogenbosch, falls ich diese Chancen bekomme, möchte ich sie nutzen, um nicht im Nachhinein sagen zu müssen: Ach, hätte ich mal… Ich bin schon recht nahe dran, es ist nicht mehr komplett unrealistisch. Natürlich habe ich auch irgendwo im Hinterkopf, dass der ein oder andere nicht unbedingt mit dem Finale plant, weil sie sich auf die WM in Aachen fokussieren wollen. Ich gebe mein Bestes und wenn es am Ende reicht – dann drehe ich wahrscheinlich völlig am Rad (lacht). Und wenn es nicht reicht, ist es überhaupt nicht schlimm. Ich habe schon dreimal im Weltcup ganz gut performt und meine eigenen Erwartungen übertroffen.
dressursport.kim: Dreimal warst Du mit Cadeau im Weltcup unterwegs, in Amsterdam kommt erst mal Fiderdance ‚Fidel‘ mit – warum?
Moritz Treffinger: Das hat zwei Gründe – einerseits ist Cadeau jetzt wie alle unsere Deckhengste hier auf Gestüt Bonhomme in der 30-tägigen Quarantäne, die die Hengste jedes Jahr vor der Decksaison absolvieren müssen, und andererseits dachte ich natürlich: ‚Zwei Eisen im Feuer zu haben, ist besser als eins‘ (lacht).

Bei ihrer Weltcup-Premiere: Moritz Treffinger und Cadeau Noir
© EQWO, Petra Kerschbaum
dressursport.kim: Cadeau ist also im Pausenmodus…
Moritz Treffinger: Genau, er hatte eine super Saison im vergangenen Jahr, aber er hat ja mit dem Decken auch noch einen weiteren Job. Er braucht seine Pausen. Nach Weihnachten hatte er dreieinhalb Wochen Pause, war in der Führmaschine, wurde am Halfter longiert und hat sich auf seinem Paddock amüsiert – mehr nicht. Und er hat das genossen. Fiderdance ist da ganz anders, obwohl er jetzt 17 ist. Ihn habe ich eine Woche nicht gearbeitet und dann konnte ich nicht mehr am langen Zügel Schritt reiten, weil er darum gebockt hat. Ich kenne die Beiden inzwischen so gut, dass ich weiß, wer wann Pause haben möchte und wer wann arbeiten möchte.
dressursport.kim: Und wie blickst Du mit Fidel Richtung Amsterdam, wie fühlt er sich an?
Moritz Treffinger: Sehr gut, er ist energiegeladen und hat richtig Lust. Und er hat es definitiv verdient, auch auf so tollen Turnieren an den Start zu gehen. Obwohl es für uns natürlich ein bisschen der Sprung ins kalte Wasser wird. Ich war mit ihm noch nie in dieser ‚Liga‘ unterwegs. Mit Cadeau kann ich mich inzwischen ganz gut einordnen und ich bin der Meinung, dass sich beide auf gleichem Level die Waage halten. Aber mit Fidel bin ich bisher erst viermal eine Kür geritten. Ich bin im Dezember extra noch mal mit ihm in Salzburg in der Kür gestartet, damit ich noch mal ein bisschen Sicherheit tanken kann. Aber das wird schon sehr spannend in Amsterdam.

Glücksküsschen für Fidel kurz vor Amsterdam
dressursport.kim: Mit Cadeau oder mit Fidel in eine Weltcup-Prüfung einreiten – worin liegt für Dich der größte Unterschied?
Moritz Treffinger: Cadeau ist definitiv abgeklärter und cooler als Fidel. Er verzeiht mir praktisch jeden Fehler und hat mich in der Prüfung schon so manches Mal gerettet. Bei Fidel ist das ganz anders: Er hat, wenn man so will, mehr Geist, bei ihm muss jede Hilfe klar und deutlich sein und darf nicht mal stärker und mal schwächer bei ihm ankommen. Er fordert ein, dass ich jede Lektion sauber vorbereite, saubere Hilfen gebe und obendrauf die Ruhe bewahre. Ich bin ja der, der obendrauf eine ‚Panikattacke‘ bekommt, ob alle Wechsel funktionieren (lacht).
dressursport.kim: Worin liegen die Unterschiede in den Küren von Cadeau und Fidel?
Moritz Treffinger: In der Kür von Cadeau liegt mehr Betonung auf den Serienwechseln, das ist einfach seine absolute Stärke. Mit Fidel reite ich immer noch die Kür, die auch schon Simone (Pearce) mit ihm beim Weltcup-Finale in Omaha 2023 geritten hat. Die passt einfach so gut zu ihm und bei ihm liegt mehr Bedeutung auf den Trabtouren.
dressursport.kim: Cadeau und Fidel sind natürlich Deine ‚Professoren‘, aber andere scharren auch mit den Hufen…
Moritz Treffinger: Ich hoffe tatsächlich, dass ich dieses Jahr mit zwei Pferden beim Piaff-Förderpreis dabei sein kann, mit Morricone und Florida. Florida, ganz richtig Florida Keys, ist eine Tochter von Fidel, sie ist jetzt zehn und wird im Drei-Sterne-Bereich immer gefestigter. Das ist natürlich super cool: drei Pferde im Bundeskader und Florida als viertes Pferd im Drei-Sterne-Bereich – das ist schon crazy.
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