“Da geht es um sehr viele Punkte auf sehr kleiner Fläche.”
40 Paare haben sich für die fünfte Etappe des Nürnberger Burg-Pokals angekündigt: Elmlohe ruft – und etliche Topnamen haben genannt, darunter Mannschafts-Weltmeisterin Helen Langehanenberg, Schwedens Multichampion Patrik Kittel, Norwegens Olympiareiterin Isabel Freese, die frisch gebackene U25-Europameisterin Rose Oatley, Olympiakader-Mitglied Charlott Schürmann und Dorothee Schneider, die in Görlitz gerade ihr sagenhaftes 25. Pferd für das Finale qualifiziert hat.
Foto oben: Heike Kemmer (© www.sportfotos-lafrentz.de)
Historische Zahlen treffen bei der Elmlohe-Etappe aufeinander: Der Burg-Pokal ist in seinem 35. Austragungsjahr, Elmlohe feiert die 75. Ausgabe seiner Reitertage und ist zum sechsten Mal Gastgeber der Traditionsserie. Immer dabei: die zweimalige Mannschafts-Olympiasiegerin Heike Kemmer, die die Burg-Pokal-Ritte mit ihren Fachkommentaren begleitet.
dressursport.kim im Burg-Pokal-Gespräch mit Heike Kemmer…

Heike Kemmer (Mitte) gehört schon seit Jahren zum Team Elmlohe – nicht zuletzt als Kommentatorin während des Nürnberger Burg-Pokals
© Thomas Hellmann
dressursport.kim: Heike, die Burg-Pokal-Aufgabe ist eine spezielle Aufgabe, wo ist für Dich der Knackpunkt in der Aufgabe?
Heike Kemmer: Das ist die Tour mit den Schritt-Pirouetten, die dann gleich in die Galopp-Pirouetten übergeht. Das ist schon eine schwierige Tour direkt vorne vor den Richtern. Versammelter Schritt, Schritt-Pirouette links, dann rechts, sofort angaloppieren in die enge Kurve hinein und gleich die halben Galopp-Pirouetten mit den fliegenden Wechseln bei C – da muss das Pferd schon sehr geschlossen sein und die halben Paraden sehr gut annehmen. Hinzu kommt, dass die Pirouetten doppelt zählen und die fliegenden Wechsel auch noch als Extra-Note bewertet werden. Kurz gesagt: Da geht es um sehr viele Punkte auf sehr kleiner Fläche.

Feine Burg-Pokal-Runde – Juliane Brunkhorst und Diamante Negro
© Thomas Hellmann
dressursport.kim: Was begeistert Dich bei einer gelungenen Burg-Pokal-Prüfung am meisten?
Heike Kemmer: Wenn eine Prüfung von Anfang bis Ende fließt. Wenn ich mich in Ruhe auf dem Stuhl anlehnen und den Ritt einfach genießen kann. Ich erinnere mich beispielsweise in Elmlohe an den Ritt von Juliane Brunkhorst und Diamante Negro im Burg Pokal vor drei Jahren, das war so ein sehr harmonischer, fließender Ritt auf die typisch feinfühlige Art von Juliane.
dressursport.kim: Wo passieren die meisten Fehler in der Burg-Pokal-Aufgabe?
Heike Kemmer: Es gibt nicht direkt eine Hauptfehler-Quelle, es gibt viele Klippen in dieser Prüfung. Wenn man sich die Aufgabe genau anschaut, bemerkt man, dass es immer nur halbe kurzen Seiten zwischen den Lektionen gibt. Man hat fast nie eine ganze kurze Seite, auf der nichts passiert. Nach dem ersten starken Trab wendet man direkt auf die Mittellinie für die doppelte halbe Traversale ab, linke Hand und direkt wieder auf die Diagonale, nächste Mitte der kurzen Seite pariert man schon durch zum Schritt. Das macht alles schwieriger, wenn man nur halbe kurze Seiten hat, als wenn man eine ganze kurze Seite Zeit hat, auf der man mal von einer Ecke zur anderen hinreiten oder sein Pferd noch mal schließen kann. Es kommt immer direkt der Beginn oder das Ende der nächsten Lektion.
dressursport.kim: Das bedeutet: Ich muss mein Pferd wirklich durchlässig haben…
Heike Kemmer: Ja, absolut. Nur am Ende der Aufgabe hat man mal ganze kurze Seiten zwischen den Serienwechseln und dem starken Galopp, aber der Beginn ist schwer. Die Trabtour und der starke Schritt gehen noch, aber spätestens in der gesamten Pirouetten-Tour trennt sich die Spreu vom Weizen.
dressursport.kim: Wir brauchen also ein sehr durchlässiges Pferd. Was brauche ich noch, um mit einem Pferd im Burg-Pokal ganz vorne zu stehen?
Heike Kemmer: Das Pferd sollte Elastizität haben, damit es in der Anfangstour schon mal richtig punktet. Da muss man sich einen Puffer verschaffen, falls mal irgendwo ein Wackler entsteht. Aber das Pferd sollte auch in der Grundgangart Galopp brillieren, weil ein hoher Anteil im Galopp abgefragt wird. Es sind zwei Galopp-Verstärkungen drin, und die Wechsel haben es immer in sich. Für die jüngeren Pferde ist das noch eine Klippe, dass sie die fünf Vierer-Wechsel und fünf Dreier-Wechsel ordentlich absolvieren.

Elmlohes Plätze im Überblick
dressursport.kim: Warum ist Elmlohe eine Station, wo der Burg-Pokal deiner Meinung nach unbedingt hingehört?
Heike Kemmer: Weil Elmlohe ein großes Angebot an Prüfungen hat. Reiter können vom jüngeren bis zum Grand Prix-Pferd alles mitnehmen, so dass sich Elmlohe für die Reiter immer lohnt. Außerdem sind die Bedingungen super, es gibt zwei schöne Abreiteplätze, alle Plätze haben gute Böden und das ganze Team gibt sich unheimlich viel Mühe. Das ist ein großer Club von Ehrenamtlern – einfach super!

Heike Kemmer und ihr Burg-Pokal-Sieger und Mannschafts-Olympiasieger Bonaparte
dressursport.kim: Du hast den Burg-Pokal auch als Reiterin intensiv erlebt. Was war Dein schönster Burg-Pokal-Moment?
Heike Kemmer: Das war als ich mit Bonaparte damals die Burg-Pokal-Etappe in München gewonnen habe. Das war schon außergewöhnlich. Und dann natürlich der Sieg im Finale 2001. Bonnie hatte einfach drei sehr gute Grundgangarten, war zu seiner Zeit schon ein elegantes, modernes Pferd und ihn zeichnete seine enorme Elastizität aus. Ich denke, Bonnie könnte auch heute noch ganz vorne im Burg-Pokal mithalten. In meiner Vorstellung auf jeden Fall, weil ich meinen Bonnie natürlich immer absolut positiv in Erinnerung behalten werde.
HIER gibt es weitere Infos zum Nürnberger Burg-Pokal
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