Uwe Mechlem: Ein großer Pferdemann hat uns verlassen
Im Alter von 91 Jahren ist Olympiarichter und Pferdemann Uwe Mechlem gestorben.

Erinnernde Worte an Uwe Mechlem von Katrina Wüst:
Der Dressursport muss Abschied nehmen von einem herausragenden Pferdemann und einer außergewöhnlichen Persönlichkeit: Uwe Mechlem ist am 14. September im Alter von 91 Jahren verstorben.
Pferde und der Reitsport begleiteten und prägten sein Leben von frühester Kindheit an. Als aktiver Reiter war er sowohl in der Dressur als auch im Springen überaus erfolgreich. Siebenmal errang er den Titel des Bayerischen Meisters und startete in beiden Disziplinen international bis zur höchsten Klasse.
Aus dieser großen reiterlichen Erfahrung erwuchs eine Haltung, die ihn als Reiter ebenso prägte wie später als Richter: „Horche immer in dein Pferd hinein. Es sagt dir, was an diesem Tag möglich ist und was es bereit ist, dir zu geben.“ Für Uwe Mechlem bedeutete gutes Reiten deshalb immer auch, die Möglichkeiten und Grenzen des Pferdes zu erkennen und zu respektieren. Entsprechend kritisch beurteilte er vom Richtertisch aus Reiter, die ihr Pferd sichtbar überforderten und – sei es aus mangelndem Verständnis oder übertriebenem Ehrgeiz – diese Grenzen überschritten. Das Wohl des Pferdes und ein fairer, respektvoller Umgang mit ihm standen für ihn stets über dem sportlichen Erfolg. Diese Einstellung begleitete ihn durch seine gesamte Laufbahn und bestimmte maßgeblich sein Wirken als Richter und Funktionär.
Neben zahlreichen Einsätzen bei bedeutenden nationalen und internationalen Turnieren und Championaten weltweit wurde er zweimal, in Barcelona und Atlanta, zu Olympischen Spielen an den Richtertisch berufen. 27 Jahre lang gehörte er der DRV sowie dem Deutschen Dressurausschuss an, zuletzt als dessen Vorsitzender. Vier Jahre wirkte er zudem im FEI-Dressurkomitee und damit an maßgeblicher Stelle an der Entwicklung des internationalen Dressursports mit. Auch nach dem Ende seiner aktiven Richterlaufbahn blieb seine große Erfahrung gefragt: Als Mitglied des Judges Supervisory Panel (JSP) trug er bei internationalen Championaten dazu bei, deutliche Abweichungen in den Richterbewertungen zu erkennen und gegebenenfalls auszugleichen – mit dem Ziel einer möglichst fairen und einheitlichen Beurteilung.
Trotz all seiner Erfolge und der großen Anerkennung, die er weltweit genoss, blieb Uwe Mechlem ein außergewöhnlich freundlicher, zugewandter und bescheidener Mensch. Er begegnete anderen mit Respekt, Offenheit und echtem Interesse – unabhängig davon, welche Position sie innehatten oder welchen Namen sie trugen. Vielleicht war es gerade diese besondere menschliche Art, die dazu führte, dass er nicht nur weltweit bekannt, sondern auch überall außerordentlich geschätzt und beliebt war.
Was er unserem Sport über viele Jahrzehnte gegeben hat, wird bleiben: seine Freude am Pferd, seine Begeisterung für den Reitsport, sein Wissen und seine Erfahrung – und vor allem die Haltung, mit der er all dies an andere weitergegeben hat.


