Der mit den Sprungfedern: Viva las Vegas

Bundeschampionat Warendorf – In der Qualifikation der sechsjährigen Dressurpferde in Warendorf trumpfte Viva Gold-Sohn Viva las Vegas auf: Sieg mit der Endnote 9,22.

Der Hannoveraner Hengst aus der Zucht von Reinhard Baumgartner und im Besitz von Anne Haggenmüller wurde von Charlott-Maria Schürmann vorgestellt. Die 33-Jährige ist Mitglied im Olympiakader (Dante’s Pearl) und sitzt seit gut einem Jahr im Sattel von Viva las Vegas.

Viva las Vegas genießt sein Rampenlicht
Foto: © Lisa Krieger (alias Nagelfee 🙂 )

Der dressursport.kim-Bundeschampionats-Talk mit Charlott Schürmann:

dressursport.kim: Eine 9,6 gab es für den Trab von Viva las Vegas – kannst Du uns einmal das Gefühl im Sattel beschreiben?

Charlott Schürmann: Man hat das Gefühl, dass er unter allen vier Füßen Sprungfedern hat. Dieses Pferd hat Charakter für eine 12, obwohl er Hengst ist, ist er ein richtiger Schatz. Er hat Schritt, Trab, Galopp und die richtige Einstellung. Ja, er ist einfach 10 von 10.

dressursport.kim: Im vergangenen Jahr warst Du schon bei der WM der jungen Dressurpferde am Start, allerdings nur bis zum Kleinen Finale. Ein Jahr später wundert man sich…

Charlott Schürmann: Ich hatte ihn gerade vier Wochen vor der WM-Sichtung bekommen. Da war natürlich alles noch sehr grün, man kannte sich noch nicht so und es fehlte natürlich auch die nötige Kraft. Dass er sich überhaupt für die WM empfohlen hat, war schon eine Hausnummer für unsere kurze Zeit. Letztendlich fehlte ihm auf der WM die Kraft und er fiel ein bisschen in ein Loch. Danach hat er richtig viel Zeit bekommen. Ich habe ihn dieses Jahr nur in Elmlohe geritten, eine Runde. Da hat er sich fürs Bundeschampionat qualifiziert und jetzt sind wir in Warendorf. Das ist sein zweites Turnier dieses Jahr.

dressursport.kim: Mit so wenig Erfahrung muss er aber auch nervlich sehr stabil sein?

Charlott Schürmann: Absolut, der guckt gar nicht, er ist ein richtiger Profi.

Kurz vor seiner Siegerrunde im Warm Up: Viva las Vegas
Foto: © Lisa Krieger

dressursport.kim: Er ist ein Hengst, steht aber nicht im Deckeinsatz?

Charlott Schürmann: Nein, das ist auch nicht geplant. Ich werde ihn jetzt erst mal für die Besitzerin weiter ausbilden.

dressursport.kim: Es gibt gar nicht so sehr viele Reiter, die im internationalen Grand Prix-Sport und in Jungpferde-Prüfungen unterwegs sind. Mal ganz direkt gefragt: Was ist schwieriger?

Charlott Schürmann: Das mit den jungen Pferden ist auch schon schwierig, weil du da sehr viel mehr helfen musst. Du musst die Grundgangart zelebrieren und das Bestmögliche rausholen. Beim Grand Prix ist es viel technischer. Wenn man natürlich Pferde hat wie Dante’s Pearl und Viva las Vegas, dann ist beides ein Hochgenuss (lacht). Viva las Vegas ist noch sehr grün, auch in den Wechseln. Ich war schon ein bisschen angespannt, ob die Wechsel klappen, da braucht er noch Hilfe. Dafür bin ich da, dass ich ihm das so leicht wie möglich mache, damit der Wechsel gelingen kann.

dressursport.kim: Eine kurze Zwischenfrage – wie geht’s Dante’s Pearl?

Charlott Schürmann: Sehr gut. Wir lassen uns sehr viel Zeit, trainieren schön in Ruhe weiter und sprechen dann mit Monica Theodorescu unseren weiteren Plan ab.

dressursport.kim: Früher hat man Dich häufiger auf dem Bundeschampionat gesehen, jetzt einige Jahre nicht mehr?

Charlott Schürmann: Ja, das stimmt. Ich habe früher bei den Ponys auch einige Bundeschampions vorgestellt, jetzt war ich fünf oder sechs Jahre nicht mehr da. Ich hatte immer mal ein Pferd qualifiziert, bin aber dann doch nicht hingefahren. Aber ein Pferd wie Viva las Vegas gehört auf eine solche Bühne.

dressursport.kim: Man hätte ihn sich ja auch durchaus auf der WM-Bühne vorstellen können?

Charlott Schürmann: Tatsächlich habe ich ihn bei der WM-Sichtung gar nicht vorgestellt. Ich wollte, dass er Zeit hat, in den Wechseln noch sicherer zu werden. Ich wollte keinen zeitlichen Druck. Es dauert einfach lange, bis die Wechsel sicher sind. Und auch wenn die Pferde auf dem Turnier nicht gucken, trotzdem bleiben sie junge Pferde und lassen sich doch noch mal ablenken.  Sie sind innerlich dann nicht so kopffrei wie zu Hause.

dressursport.kim: Am Sonntag steht in Warendorf das große Finale der Sechsjährigen auf dem Programm – wie bereitest Du Dich und Viva las Vegas darauf vor?

Charlott Schürmann: Also heute, Freitag, hat er komplett frei und wird nur Schritt geführt. Samstag werde ich ihn trainieren und noch mal ein paar Wechsel üben. In der Finalaufgabe gibt es ja vier davon. Und dann genießen wir hoffentlich die Prüfung genauso wie die Qualifikation am Donnerstag (lacht). Bei der Dichte in der Qualität der Pferde kann es ganz schön knapp werden. Jeder muss sein Bestes geben und am Ende gewinnt der, der keinen Fehler macht. Die Pferde sind alle toll, die jetzt da vorne so eng beieinander sind.

HIER geht es zu den genauen Ergebnissen der Qualifikation der sechsjährigen Dressurpferde.