„Wenn die Anlehnung nicht stimmt, muss man das Hinterbein besser machen.“
Ausbildungsgedanken mit Katharina Hemmer – die Schnelligkeit der Dinge im Special, das knifflige Anpiaffieren aus dem Schritt, die konstante Anlehnung und das schönste Gefühl!
Alle Fotos: www.sportfotos-lafrentz.de

Mit ‘Spezi’ in Hagen.
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dressursport.kim: Eine gute Dressurprüfung ist Teamwork von Reiter und Pferd. Wie würdest Du Deine Rolle als Reiterin beschreiben?
Katharina Hemmer: Mein Job als Reiterin ist es, die Pferde bestmöglich zu unterstützen. Und das ist das, was ich versuche. Ich bin eigentlich selbst immer sehr entspannt, sehr fokussiert und versuche, gut in die Pferde hineinzuhören. Wie sind sie drauf? Was brauchen sie gerade? Und dann versuche ich, bestmöglich darauf einzugehen und ihnen gutes Gefühl zu geben. Das ist das, was ich in jeder Prüfung versuche.
dressursport.kim: In Grand Prix und Special geht alles schnell, eine Lektion nach der anderen. Was spielt sich in Deinem Kopf während einer solchen Prüfung ab? Vielleicht am Beispiel von Special Gold in Hagen?
Katharina Hemmer: Ich kenne Spezi natürlich inzwischen sehr gut, seitdem er fünf war, habe ich ihn geritten und Anfang 2023 habe ich ihn ja ganz von Hubertus übernommen. Ich kenne ihn ganz genau und weiß genau, in welchem Moment ich wie viel riskieren kann, was geht und was vielleicht in dem Moment nicht geht. Und man darf nicht vergessen: Er ist ja ein Hengst und möchte nicht ‚überrumpelt‘ werden, dann kann er sich schon mal etwas anspannen. Man muss vorsichtig sein und immer darauf achten, dass er gut beim Reiter bleibt. Und ich habe natürlich gefühlt auch immer ein bisschen Hubertus im Ohr, der die Pferde auch gut kennt und bei dem ich immer genau weiß, was er mir gerade sagen würde: ‚Jetzt nochmal in die Ecke, nochmal aufs Hinterbein, nochmal von der Hand, bereit sein für die nächste Lektion …‘ Das spielt sich dann alles in meinem Kopf ab in der Prüfung und so versuche ich, die Prüfung sehr fokussiert auf die Bühne zu bringen.
dressursport.kim: Eine ganz knifflige Stelle im Grand Prix Special ist das Anpiaffieren aus dem Schritt – was sagst Du dazu?
Katharina Hemmer: Das Anpiaffieren aus dem Schritt muss mit den kleinsten Hilfen funktionieren. An diesem Moment sieht man genau, ob die Pferde das verstanden haben und es wollen oder in dem Moment nicht. In Hagens Special beispielsweise wollte Spezi das absolut. Das ist für mich als Reiterin das beste Gefühl, darüber kann ich mich in der Prüfung schon freuen, auch wenn andere Sachen vielleicht an dem Tag nicht ganz so funktionieren. Ich übe gerade das Anpiaffieren aus dem Schritt von Anfang an mit derselben abgestimmten Hilfengebung und nehmen zu Beginn auch ein kleines Schnalzen hinzu. Damit die Pferde genau wissen: ‚Aha, das ist das Zeichen zum Anpiaffieren‘. Das Schwierigste an der Lektion ist ja, in Ruhe im versammelten Schritt bis zu dem Punkt zu kommen. Ich übe es zu Hause eigentlich auch nie an der Stelle, an der es in der Prüfung kommt. Mit den Pferden, die gerade in den Special hineinwachsen, mache ich es natürlich ein paar Mal genau bei G, wie in der Aufgabe, aber auch nicht zu oft (lacht). Sie müssen es kennen und wissen, aber nicht zu gut. Sie sollen ja nicht schon drei Meter vorher sagen: ‚Ich weiß, was kommt, ich mach schon mal.‘

Denoix – in super konstanter Anlehnung
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dressursport.kim: Unheimlich schwierig, aber auch immens wichtig ist die vertrauensvolle, konstante Anlehnung. Das ist bei Denoix nahezu durchgehend top …
Katharina Hemmer: Das haben wir auch ganz schön lange geübt(lacht). Gerade mit Denoix war das am Anfang nicht ganz einfach für mich, weil er so superleicht in der Hand ist. Ich musste erst mal im Training hinbekommen, dass er konstant vorne in die Hand reinzieht. Und dann mussten wir noch lernen, es mit in die Prüfung zu nehmen.
dressursport.kim: Wie hast Du das gemacht?
Katharina Hemmer: Ich glaube, das hat ganz viel mit Vertrauen und Kraft zu tun. Die Kraft, sich im Hinterbein über die Oberlinie zu tragen. Wenn die Anlehnung nicht stimmt, muss man das Hinterbein besser machen. Das hat Hubertus mir von Anfang an beigebracht. Und dann die Hand so fein zu haben, dass sich das Pferd an die Hand traut, vorne wohlfühlt und sich da dann auch abparieren lässt. Ich fange schon beim Lösen damit an, mir das ganz in Ruhe zu erarbeiten, und versuche es dann, über die Arbeit weiter zu verbessern.
dressursport.kim: Du hast jetzt schon sehr viele Grand Prix- und Special-Aufgaben geritten. Was ist das Allerschwierigste?
Katharina Hemmer: Als ich meine ersten Grand Prix geritten habe, war das eine extreme Herausforderung: Alles kommt so unglaublich schnell aufeinander. Man muss alles sofort hintereinander parat haben und nicht wie im Training sagen: ‚Ach, jetzt brauche ich noch mal kurz eine Volte oder so‘. Um das zu schaffen, braucht man enorme Durchlässigkeit und das Pferd muss top an den Hilfen sein. Und man muss jeden Moment nutzen. Ich versuche wirklich immer, jede Ecke bewusst zu reiten – und zwar von Anfang an. Neulich habe ich zwei Siebenjährige in einer Qualifikation für das Bundeschampionat geritten und auch da versuche ich schon, jede Ecke zu nutzen und immer wieder die Pferde auf mich zu fokussieren. Spätestens im Grand Prix brauchst man das.
dressursport.kim: Und was ist für Dich das schönste Erlebnis im Grand Prix-Sport?
Katharina Hemmer: Wenn es einfacher wird. Ich habe inzwischen so ein Vertrauen in Denoix und ich glaube, er auch in mich, dass ich das Gefühl habe, dass wir uns absolut aufeinander verlassen. Dadurch wird es einfacher und macht einfach riesigen Spaß!
***Am kommenden Wochenende ist Katharina Hemmer bei der Pferd International in München am Start.


