Aller guten Dinge wären ‘Sechs’
Wandres, Klimke, Ligus, Lienert im Nationenpreis in Wellington – „Ich bin jetzt schon seit fünf Jahren als Reiter und Equipechef dabei“, freut sich Michael Klimke. „Wir haben alle fünf Mal gewonnen und wir werden uns Mühe geben, das auch ein sechstes Mal hinzubekommen, wobei, ich glaube, dass das dieses Jahr ein bisschen schwieriger wird als die Jahre zuvor. Aber wir werden unser Bestes geben.“
Foto oben: Team total – die Motivation des Teams Wellington ist auf dem Höhepunkt – es kann losgehen! (©KI generiert)
Insgesamt gehen drei Teams bei dem Nationenpreis in Wellington an den Start, neben Deutschland sind das die Teams aus Kanada und den USA. Entschieden wird der Nationenpreis im Grand Prix am Donnerstag. Danach teilt sich das Starterfeld in Kür- und Specialreiter auf, diese Prüfungen haben aber keinen Einfluss mehr auf die Nationenpreiswertung.
Von 2021 bis 2025 hat das Team Deutschland sich jedes Jahr den Sieg im Nationenpreis gesichert und die Gastgeber USA jeweils auf Platz zwei verwiesen. Die klare Ansage der US-Reiter: Das soll sich dieses Jahr ändern. Auch mit nur drei Nationen am Start: Es dürfte spannend werden in Wellingtons Nationenpreis.

Und das Team ganz seriös – die Daumen sind gedrückt.
Das deutsche Nationenpreis-Team in Wellington 2026:
- Frederic Wandres mit Verrenberg, 10j. Oldenburger v. Vilancio – zum fünften Mal im Team
- Lars Ligus mit Zara K 2, 14j. Oldenburgerin v. Zonik – zum dritten Mal im Team
- Michael Klimke mit Harmony’s Fado, 12j. Oldenburger v. Fairytale – zum sechsten Mal im Team
- Emma Caecilia Lienert mit Windermere J’Obei W, 16j. Neuseeländer v. Johnson – zum ersten Mal im Team
Premiere für Emma – das Teamküken
Emma Lienert gehört zum ersten Mal zum Nationenpreisteam. Die 22-Jährige kommt aus der Nähe von Düsseldorf, dort hat ihre Familie eigene kleine Reitanlage.
Als Junge Reiterin gehörte sie dem Bundeskader an und hatte über das Aachener Excellence Programm die Möglichkeit, mit Isabell Werth zu trainieren. „Eine Erfahrung, aus der ich unglaublich viel mitnehmen konnte!“
Emma ist zum ersten Mal in Wellington und hat den 16-jährigen Windermere J’Obei W dabei. Seit etwas über einem Jahr sitzt sie im Sattel des Johnson-Sohns, der in Neuseeland gezogen wurde. Unter der Neuseeländerin Melissa Galloway war J‘Obei bereits bei den Olympischen Spielen in Paris und beim Weltcup-Finale in Riyadh am Start. Mit ihm konnte sich Emma im vergangenen Jahr den Titel Rheinische U25-Meisterin sichern und schon einige Siege feiern. Allein in Wellington hat das Paar siebenmal gewonnen – von Inter II bis Grand Prix Kür.
„Nach Amerika bin ich recht spontan gekommen. Es war für mich schon lange ein großer Traum, aber durch den Betrieb zuhause war es schwierig. Mein Trainer Jochen Bender hat mich dabei sehr unterstützt und den Kontakt zum Hof Kasselmann hergestellt, wodurch sich diese Chance ergeben hat“, freut sich Emma.
Vor Ort in Wellington wird Emma von Lars Ligus im Training betreut. „Darüber bin ich unglaublich froh“, strahlt sie. „Er gibt sich wahnsinnig viel Mühe und ich konnte in dem Umfeld von Kasselmann noch einmal sehr viel dazulernen.“
Und was sagt Emma zu ihrer Nationenpreis-Premiere als ‚Küken‘ des Teams? „Dass ich den Nationenpreis reiten darf, ist eine große Ehre und eine tolle Chance. Ich werde versuchen, souverän zu reiten und die Erfahrung bestmöglich zu genießen. Ich freue mich riesig, bei den Senioren starten zu dürfen – und das auch noch mit so einem erfahrenen, unterstützenden und positiven Team!“
Lars Ligus – Reiter und Trainer im Team
Der 29-jährige Lars Ligus ist Bereiter auf dem Hof Kasselmann und dort für die Ausbildung von Pferden und Training der Kunden zuständig. Außerdem unterstützt er seinen Verlobten, Freddy Wandres, im Training und ist zugleich dessen Groom. In Wellington trainiert Lars in dieser Saison einerseits drei Reiter, die international starten, andererseits sitzt er selbst im Sattel und hat mit Zara K bereits einen nationalen Grand Prix mit über 73 Prozent gewonnen. „Zara hat richtig viel Talent zur Lastaufnahme, das merkt man am allerbesten in den Piaffen und Pirouetten“, schwärmt Lars. „Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, dieses Mal Deutschland zum dritten Mal im Nationenpreis von Wellington repräsentieren zu dürfen.“ Für Ligus wird es der zweite internationale Start in einem Grand Prix. Letztes Jahr hatte er beim Nationenpreis in Wellington mit Santiago internationale Grand Prix-Premiere gefeiert, dieses Jahr wird es die internationale Premiere im Sattel von Zara K.
Frederic Wandres – Mannschafts-Olympiasieger und Marathonläufer:
„Letzte Woche waren es hier in Wellington 32 Grad, heute, Dienstag, habe ich mir gerade die zweite Jacke angezogen“, wundert sich Frederic ‘Freddy’ Wandres.
Vergangenen Freitagabend hat Freddy mit Verrenberg noch die Weltcup-Kür unter Flutlicht in Wellington gewonnen. Bis er mit allem fertig war und im Bett lag war es 23.45 Uhr. Das bedeutete: schnell schlafen, denn um 5.00 Uhr klingelte wieder der Wecker für Freddys besondere Mission: sein erster Marathon! „Vor etwa sechs Monaten habe ich mit dem Laufen angefangen“, erzählt er. „Ich laufe seitdem fast jeden Tag. Es macht mir Spaß und hilft unheimlich, um den Kopf frei zu kriegen.“ Eine Runde um die Anlage in Hagen sind etwa drei Kilometer. „Am Anfang war ich nach den drei Kilometern klitschnass und fix und fertig“, schmunzelt er. „Mittlerweile ist man natürlich fitter und nach einer Runde geht’s erst richtig los. So ein Marathon ist nicht nicht schaffbar – es ist reine Übung und Konditionstraining.“ In Wellington habe er weiter trainiert, was bei den Temperaturen noch einmal eine andere Herausforderung sei. „Deswegen war ich froh, dass wir so früh losgelaufen sind bei dem Marathon, morgens um 6.30 Uhr ging’s los, so hat uns die Mittagshitze nicht voll erwischt.“ Beim Überqueren der Ziellinie hatte er sogar ein Lächeln auf dem Gesicht. „Das war schon eine gute Sache und ich war auch ein bisschen stolz, dass ich das geschafft hatte.“ Das sei jetzt noch kein voller Marathon mit 42 Kilometern gewesen, erklärt Wandres, sondern ‚nur‘ ein kleiner Marathon mit 21 Kilometern. Von 42 Kilometern sei er noch etwas entfernt, aber: „Steter Tropfen höhlt den Stein – von daher bin ich guter Dinge.“

Lächelnd ins Ziel nach 21 Kilometern: Frederic Wandres in Wellington 💪
Und schon wartet die nächste Herausforderung, der Nationenpreis. „Auch wenn wir fünfmal hintereinander gewonnen haben, heißt das nicht, dass wir uns zurücklehnen“, betont Freddy. „Die Amerikaner machen es uns jedes Jahr ein Stückchen schwerer. Dieses Jahr würde ich aus dem Gefühl heraus sagen, sind wir etwa auf einem Level. Aber: Wir sind ein gutes Team und geben unser Bestes!“
Michael Klimke – Equipechef und Teamreiter
„Zur Wahrheit gehört, dass es dieses Jahr schon schwieriger werden dürfte als die anderen Jahre“, erklärt der, der es am besten wissen muss: Michael Klimke. Er ist der Einzige aus dem deutschen Team, der bisher alle fünf siegreichen Male dabei war, jeweils als Reiter und Equipechef. Seit vielen Jahren verbringt Michael Klimke die Wintermonate in Wellington. „Meine Saison bisher hier in Wellington könnte man mit ‚Licht und Schatten‘ überschreiben“, erklärt er. „Dante (Harmony’s Dante’s Peak) ist ein ganz tolles Pferd, aber er ist erst zehn und war doch noch sehr aufgeregt an dem Fünf-Sterne-Wochenende. Beim nächsten Mal war er deutlich besser und wir wurden Dritte im Special.“ Mit Fado, seinem Nationenpreis-Partner, hat er in Wellingtons Vier-Sterne-Kür Platz zwei belegt. Und mit Harmony’s Zomancier (12) hat er auch noch ein drittes Grand Prix-Pferd mit in Wellington. „Drei Grand Prix-Pferd hier zu haben, ist natürlich toll. Und ich habe auch noch einen sehr guten Achtjährigen am Start, der hier den nationalen St. Georg gewonnen hat. Es wäre natürlich klasse, wenn wir am kommenden Wochenende allesamt top in Form wären und für einen schönen Abschluss der Wellington-Saison im Nationenpreis sorgen könnten.“


