Biancas Zukunfts-‘Projekte’
Basel, Göteborg, Rotterdam, Stuttgart, Aachen – Florine OLD und Queolito haben es für Bianca Nowag-Aulenbrock möglich gemacht. Jetzt sind beide verkauft – ein Cut! Völlig ohne Groll, mit viel Dankbarkeit und spannenden neuen ‚Projekten‘…
Bianca Nowag-Aulenbrock über ihre aktuelle Situation, ihre Gedanken und ihre Zukunftsideen…

Zwei, die jetzt als Lehrmeister ihr von Bianca gelerntes Wissen weitergeben würtfen: Florine und Queolito.
dressursport.kim: Bianca, Deine beiden Grand Prix-Pferde Queolito und Florine OLD sind verkauft worden, mehr oder weniger gleichzeitig. Und trotzdem hörst Du Dich ganz gefasst und optimistisch an?
Bianca Nowag-Aulenbrock: Natürlich ist es mir schwergefallen, die beiden abzugeben, aber sie sind beide 13 und top in Verfassung. Das war jetzt einfach die richtige Zeit. Beide Besitzer haben das ganz in Ruhe mit mir zusammen entschieden und ich kann vorab schon mal sagen: Beide Pferde haben jeweils ein tolles neues Zuhause gefunden.
Man muss sich das mal überlegen. Familie von Wulffen hat mir Florine seit fünf Jahren zur Verfügung gestellt und dafür bin ich so dankbar. Natürlich ist ihr erstes Ziel, ihre Tochter Elisabeth zu fördern. Aber ich durfte mit Florine den Weg bis zum Weltcup-Finale gehen, das ist für mich unglaublich. Und auch mit Queolito von Melissa Grasser hatte ich in den vergangenen drei Jahre tolle Erlebnisse und Erfolge, für die ich auch wahnsinnig dankbar bin.
dressursport.kim: Queolito hat in den Stall der 18-jährigen Marie Sohler gewechselt. Marie war 2024 bereits Einzel-Europameisterin in der Kür der Junioren, damals mit Global Player OLD. Mit dem 13-jährigen Quaterhall-Sohn strebt sie nun den Sprung in die U25-Grand Prix-Klasse an und Du wirst sie auf dem Weg begleiten?
Bianca Nowag-Aulenbrock: In erster Linie macht das Sebastian (Heinze), er ist der Haupttrainer von Marie. Ich wohne aber nur etwa 40 Minuten von Marie entfernt, bin natürlich zur Stelle, wenn ich gebraucht werde, und stehe jederzeit mit meinem Rat zur Seite. Mit Queolito kann Marie jetzt schön die U25-Tour ins Auge fassen, denke ich.
dressursport.kim: Kommen wir zu Deiner Weltcup-Finalistin Florine – sie ist nach Baden-Württemberg gegangen?
Bianca Nowag-Aulenbrock: Genau, sie wird dort Grand Prix-Lehmeisterin für eine 21-jährige Nachwuchsreiterin. Florine hat ein Fünf-Sterne-Plus-Zuhause, besser geht’s nicht. In dem Stall ist alles vorhanden, was man sich irgendwie rund um das Pferdewohl vorstellen kann. Und ihre neue Familie ist supernett und freut sich so auf sie. Ich habe Fotos von ihrem Empfang dort bekommen, drei riesige rote Schleifen hingen an der Box mit einem blinkenden Weihnachtsmann. Florine und ihre neue Besitzerin werden jetzt erst mal in Ruhe zusammenwachsen und dann kann sie, glaube ich, eine sehr gute Professorin sein und ihr Wissen weitergeben.

Mit Vaida-Girl zum Nürnberger Burg-Pokal-Finale.
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dressursport.kim: Ziemlich kurz vor Weihnachten gab es auch noch eine sehr schöne Überraschung für Dich…
Bianca Nowag-Aulenbrock: (lacht) Ich denke, Du meinst das Nürnberger Burg-Pokal-Finale? Das ist wirklich verrückt. Wir haben lange überlegt, ob wir vor Weihnachten noch ein paar Tage in den Urlaub fahren. Endlich haben wir uns dann mal hingesetzt und abends um 23.00 Uhr gebucht. Neun Stunden später kam der Anruf, dass ich mit Vaida-Girl OLD ins Burg-Pokal-Finale nachgerutscht bin. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber ich freue mich riesig. Es wird das erste Mal, dass ich im Finale dabei bin. Am 15., montags, kommen wir von unserem Kurz-Tripp zurück, dann kann ich noch einmal zu Hause reiten und Dienstag und Mittwoch in Frankfurt – das muss reichen (lacht wieder). In den Tagen davor wird sie schön longiert und Else (gemeint Elisabeth von Wulffen) kann sie ein bisschen locker reiten.
dressursport.kim: Vaida-Girl ist eine achtjährige Tochter von Vitalis – was ist sie für eine ‚Type‘?
Bianca Nowag-Aulenbrock: Vaida hat sehr viel Geist, sehr viel Qualität und unheimlichen Ehrgeiz. Die Stute ist erst ein halbes Jahr bei mir im Stall, Marina Welbers hat sie zuvor geritten und ausgebildet. Inzwischen sind wir ganz gut zusammengewachsen. Ich habe schon mehr verstanden, was sie will, und sie, was ich will. Sie braucht eine gesunde Mischung aus einer gewissen Konsequenz auf der einen Seite und auf der anderen muss man dann auch mal bei ihr ein bisschen ‚schleimen‘, also über manche Sachen einfach hinweggehen, cool bleiben und es noch einmal neu machen. Sie ist eine großartige, kleine Diva. Nach der Festhalle kriegt sie Pause und dann werde ich mit ihr weiter in Richtung Drei-Sterne-Prüfungen üben – da fehlt bei ihr nicht mehr viel.
dressursport.kim: Einer von Vaidas Boxennachbarn ist der neunjährige Escorial Q NRW. Mit Blick Richtung Grand Prix ist er aus Deinem Beritt im Moment der nächste…?
Bianca Nowag-Aulenbrock: Escorial gehört, wie Florine zuvor, auch Familie von Wulffen. Ich reite ihn seit dreijährig und kann schon sagen, dass er mein kleiner Liebling ist. ‚Teddy‘, so heißt er bei uns, ist ein großer Sohn von Escolar, der unheimlich viel Talent für Piaffe und Passage hat. Er war dreijährig schon Bundeschampion, vierjährig hatte er ein ruhiges Jahr, fünfjährig war er wieder beim Bundeschampionat im Finale, sechsjährig wieder ein gemütlicheres Jahr, siebenjährig wieder im Finale und achtjährig haben wir dann mit Pirouetten und Co weitergelernt. Inzwischen ist er neun und vom Körper so weit ausgereift, dass wir an die Drei-Sterne-Tour denken können. Im Oktober ist er seine erste Inter II zum Antesten gegangen, da war er gleich Dritter mit knapp über 69 Prozent – damit war ich sehr zufrieden. Vielleicht peilen wir nächstes Jahr mal den Louisdor-Preis an.

“So hat er mich um den Finger gewickelt – er kuschelt so schön.” Frisch von der Hannoveraner Körung gekauft: einen Franklin-Sohn.
dressursport.kim: Und weil man ja nie sicher sein kann, was man so zu Weihnachten geschenkt bekommt, hast Du Dir schon mal selbst ein aufregendes Geschenk gemacht…
Bianca Nowag-Aulenbrock: Genau, ich habe mir auf der Hannoveraner Körung einen zweieinhalbjährigen Hengst gekauft. Ich durfte auf der Hengst-Gala vertretungsweise Sky vorstellen und habe mir in dem Zug natürlich auch die Hengste angeguckt. Dann habe ich noch Johannes Westendarp getroffen, bei dem ich früher geritten bin, und ihm gesagt: Wenn er einen passenden für mich sieht, soll er mir mal Bescheid sagen. Johannes hatte direkt eine Idee. Zu dieser ‚Idee‘ bin ich dann in die Box gegangen und wir haben heftig gekuschelt. So hat er mich um den Finger gewickelt. Also habe ich Ines, Johannes‘ Frau, mein Limit gesagt und sie gebeten, für mich zu bieten. Ich bin schon mal nach Hause gefahren und dann kam der Anruf: „Herzlichen Glückwunsch, Bianca!“

‘Felix’ v. Franklin – Biancas Weihnachtsgeschenk-Hengst 🙂
dressursport.kim: Jetzt wollen wir es wissen, welcher Hengst hat es Dir so angetan?
Bianca Nowag-Aulenbrock: Er war die Nummer 72, ein gerade frisch gekörter Sohn von Franklin mal Locksley II. Er ist sehr schön, ein Rappe mit langen Beinen, der sich sehr vielversprechend im Trab und Galopp bewegt hat. Nächste Woche bringe ich Felix – so ist mal sein vorübergehender Rufname – zu einem sehr guten Freund von mir, Niclas Schulte, der in der Nähe von Rügen wohnt. Dort darf er mitten im Nirgendwo weiter groß werden, wird nächstes Jahr kastriert und dort angeritten. Ich denke, vierjährig werde ich ihn dann zu mir holen. Das war alles sehr spontan und nicht lange überlegt, aber er ist jetzt mein Zukunftsprojekt und ich bin super gespannt. Und wenn wir schon von Zukunftsprojekten reden – eine sehr ähnliche Aktion habe ich vor zwei Jahren schon mal gemacht…

Bubi v. Vaderland – der ‘Weihnachstgeschenk-Hengst’ von 2023 🙂 – mit Bianca und Niclas Schulte
dressursport.kim: Da hast Du auch so spontan einen Hengst in Hannover gekauft?
Bianca Nowag-Aulenbrock: So in etwa. ‚Bubi‘ war wie Felix jetzt auch zweieinhalb, kam gerade von der Körung und war auch gekört. Ich habe ihn damals zusammen mit Kunden von mir von Niclas gekauft und durfte ihn nach etwa einem Jahr ganz übernehmen. Inzwischen ist Bubi vier, ein Vaderland-De Niro-Nachkomme und sieht tatsächlich auch genau wie sein Vater aus. Er war auch noch ein Jahr bei Niclas auf der Wiese, Niclas hat ihn angeritten und ich habe ihn dieses Jahr vierjährig im April zu mir geholt. Er ist wahnsinnig rittig, vielleicht kein Jungpferdeknaller, aber ein richtig schönes Ausbildungspferd. Ich reite ihn drei- bis viermal pro Woche ganz entspannt im Kreis – viel mehr habe ich mit ihm noch nicht gemacht. Felix und Bubi – die beiden Jungs gehören jetzt mir und sind meine eigenen Projekte (lacht). Mit den Beiden dauert es natürlich noch sehr lange, bis wir sehen, wo die Reise hingeht. Aber wer weiß: Vielleicht ‚begegnet‘ mir zwischendurch auch noch ein Pferd, das schon ein bisschen älter ist und weiter gefördert werden möchte. Da bin ich sehr offen ☺️.


